Zwei Azubis erklären die Besonderheiten der Ausbildung zum System- und Hochvolttechniker.

Hochvolt-Ausbildung:
Voll unter Strom

Zwei Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen erklären die Besonderheiten der Ausbildung zum System- und Hochvolttechniker.

Simon Staib und Dominique Dapont sind im dritten Lehrjahr zum Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik. Dominique arbeitet bei Ramsperger Automobile und spezialisiert sich auf Audi. Simon hat als Azubi bei der Firma Briem mit BMW-Modellen zu tun. Beide Hersteller haben Elektro- und Hybridautos im Angebot, auch wenn nach wie vor die weitaus größte Nachfrage bei reinrassigen Benzinern und Dieseln liegt.

Ohne Tester geht nichts

Dominique wirft ein: „Ich für meinen Teil glaube sehr daran, dass die neue Technik kommt. Audi hat den e-tron, und der ist nicht nur elektrisch, sondern auch sehr technikverliebt. Die Fehlersuche geschieht, egal ob Hochvolt oder Bordsystem, per PC und Prüfplan.“ Im Lehrplan bedeutet das: Etwa 75 Prozent Theorie und 25 Prozent Praxis. Nachdem die Basisausbildung bereits in den ersten beiden Lehrjahren vermittelt wurde, geht es im dritten Lehrjahr in die Tiefen der Technik. Dann kommt jeden Monat der neue “Hochvolttag“ hinzu. Zwar sind Fehler beim E-Antrieb eher selten, aber nicht ausgeschlossen. Ohne die Qualifikation zum System- und Hochvolttechniker hört für den normalen Kfzler die Arbeit auf, sobald die Haube offen ist.

Bis zu 1.000 Volt liegen an, und die müssen spannungsfrei geschaltet werden.
Bis zu 1.000 Volt liegen an, und die müssen spannungsfrei geschaltet werden.

Im Werkstatt-Alltag rückt die Arbeit an E-Autos langsam näher.

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Fachjargon: Pilzhände

Bevor es überhaupt ans Werk geht, gilt es, eine Absperrung um den Wagen zu bauen und ein Schild aufzustellen. Die Handschuhe müssen vor der Benutzung auf Dichtigkeit überprüft werden, dazu werden sie aufgeblasen. Latex-Überzieher untendrunter sind im Werkstattalltag keine Pflicht. „Aber sonst gibt es ‚Pilzhände‘ bei so vielen Nutzern in der Schule“, ergänzt Simon. Erst jetzt dürfen die Beiden den VW Golf GTE Hybrid spannungsfrei legen. Damit keine andere Person in den Vorgang eingreifen kann, wird das Kabel mit einem kleinen Vorhängeschloss gesichert. Trotz innovativer Technik bleibt eben doch noch ein Quäntchen bewährtes Allerwelts-Werkzeug übrig.

Das Teil erinnert an das Schild "Achtung, frisch gewischt" am Flughafen.
Das Teil erinnert an das Schild "Achtung, frisch gewischt" am Flughafen.
Redakteurin Anna Matuschek

Anna Matuschek

schreibt und schraubt: Sie ist Kfz-Mechanikerin und gibt Technikkurse für Frauen.

Bilder: Nikolaos Radis
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