Yachthafen in Radolfzell.

Mit dem E-Bike
von der Lahn an den Bodensee

500 Kilometer in fünf Tagen – mit dem Fahrrad? Das geht. Frauke Hewer hat sich aufs E-Bike geschwungen und ist von Diez an der Lahn bis an den Bodensee gestrampelt.

Im Winter begann es mit einer Idee: Ich mache eine Fahrradtour. Die erste seit meinem 17. Lebensjahr. Und weil ich jetzt ein paar Tage älter bin, fahre ich mit dem E-Bike. Auf meiner geplanten Tour gibt es zwei Mittelgebirge, für die ich meinen Motor brauche. Der Rest der Tour ist weitgehend eben. An einem Juli-Sonntag starte ich von zu Hause aus mit leichtem Gepäck.


1. Etappe: Über den Taunus

Auf den ersten Kilometern komme ich ganz gut voran: Wiesen, Wälder, blühende Landschaften. Von Diez geht es rauf zur Platte oberhalb von Wiesbaden. Gegen Mittag schüttet es. Unter einer Brücke packe ich meine Regenjacke aus. Ich bin nass. Richtig nass. Zum Glück ist das in meiner kleinen Pension in Nierstein kein Problem. Hier in Rheinhessen spielt der Wein die Hauptrolle. Ein Gutsausschank neben dem nächsten und jede Menge Riesling. Nierstein ist ein angenehmes Örtchen, um die Seele baumeln zu lassen.

Felder, Wiesen und Wälder, der Taunus bietet abwechslungsreiche Natur.
Felder, Wiesen und Wälder, der Taunus bietet abwechslungsreiche Natur.

2. Etappe: Am Rhein entlang

Am zweiten Morgen geht es weiter vorbei an Weinstöcken. Weil die Tour durch Worms führt, ist ein Abstecher zum Dom Pflicht. Und die nächste Domstadt wartet schon: Speyer, mein heutiges Etappenziel. Dank Fahrrad-Navi durchquere ich erst mal sicher Mannheim und radle schon bald wieder inmitten unberührter Natur. Weiter geht es am Rhein entlang. Schon gegen 15 Uhr checke ich ein und erkunde das schöne Speyer samt imposantem Dom. Ich bummle im Sonnenschein ein wenig durch die Stadt und lasse den Tag gemütlich ausklingen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt.

 

Imposant: der Wormser Dom.
Imposant: der Wormser Dom.

3. Etappe: Biking in the rain

Die Erkenntnis des dritten Tags: Regen ist nur schlimm, wenn man trocken ist. Wenn man nass ist, geht’s. Ich fahre am Rhein entlang in Richtung Süden. Eigentlich eine tolle und grüne Gegend. 80 Kilometer im Dauerregen sorgen dafür, dass ich einfach nur Tempo mache und froh bin, am Abend ein Dach über dem Kopf zu haben. Ein Tag zum Vergessen. Dennoch: 108 Kilometer stehen am Ende auf dem Tacho als ich mein Hotel in Lichtenau erreiche.

Manchmal reicht ein Dachüberstand für ein wenig Trockenheit.
Manchmal reicht ein Dachüberstand für ein wenig Trockenheit.
Kurioses am Wegesrand.
Kurioses am Wegesrand.

4. Etappe: An der Kinzig entlang

Am nächsten Morgen entpuppt sich der Akku meines E-Bikes als launisch. Zum Glück finde ich einen Fahrradhändler, der einen Defekt des Akkus diagnostiziert und mir für viel Geld einen Neuen verkauft. So starte ich erst gegen Mittag in Richtung Offenburg und gebe mächtig Gas.

Auf dem Weg in Kinzigtal komme ich an der Burg Ortenberg vorbei.
Auf dem Weg in Kinzigtal komme ich am Schloss Ortenberg vorbei.

Schon bald sehe ich in der Ferne den Schwarzwald. Heute habe ich sogar die Sonnencreme im Einsatz. Gengenbach ist schnell erreicht.

Ein sehenswertes Örtchen: das romantische Gengenbach.
Ein sehenswertes Örtchen: das romantische Gengenbach.
Markplatz und Rathaus in Gengenbach.
Markplatz und Rathaus in Gengenbach.

Dort belohne ich mich mit einem Spaghetti-Eis. Das Kinzigtal ist saftig grün, die Kinzig randvoll und quirlig. Nach 80 Kilometern erreiche ich Haslach. Und weil ich heute gut unterwegs bin, starte ich weiter durch bis Hausach.

Der Fahrradweg durch das Kinzigtal ist ein Genuss.
Der Fahrradweg durch das Kinzigtal ist ein Genuss.

5. Etappe: Durch den Schwarzwald

Heute ist mein E-Bike Gold wert: In kurzer Zeit muss ich 800 Höhenmeter überwinden. Der Aufstieg ist am Ende weit weniger anstrengend als vermutet. In Hornberg biege ich in ein kleines Seitental ab, das vom Schwanenbach geprägt ist. Jetzt geht‘s richtig bergauf. Zum ersten Mal seit dem Taunus muss mein Motor wirklich ran. Hier sieht es genauso aus, wie man sich ein Schwarzwald-Tal vorstellt: Wiesen, Kühe, ab und zu ein Schwarzwaldhof, ein paar Ziegen oder Schafe. Es wird kälter und feuchter. Vielleicht kann ich doch noch nach Radolfzell durchstarten. Ich will den Wetterbericht checken. Kein Empfang.

 

Typisch Schwarzwald: sanft geschwungene Täler.
Typisch Schwarzwald: sanft geschwungene Täler.

Von nun an geht’s wieder bergab in Richtung Villingen-Schwenningen. Noch ungefähr zehn Kilometer bis Bad Dürrheim und Regen für den Rest des Tages. Ich verbringe einen ruhigen Nachmittag im Kurstädtchen.

Die Autorin Frauke Hewers hat sich mit der örtlichen Bevölkerung angefreundet.
Die Autorin Frauke Hewers hat sich mit der örtlichen Bevölkerung angefreundet.

6. Etappe: Runter zum Bodensee

Schnell entdecke ich die Wegweiser in Richtung Tuttlingen. Obwohl gut 60 Kilometer vor mir liegen, fühle ich mich total entspannt. Ein bisschen geht es noch durch die Zivilisation, aber bald komme ich nur noch an vereinzelten Höfen und Wiesen vorbei. Andere Radler scheint es nicht zu geben. Ein kleiner Bach begleitet mich. Vorbei geht es an Immendingen, ein Stück parallel zur Donau in Richtung Tuttlingen. Ich passiere die Donauversickerung, kann aber nichts versickern sehen, weil so viel Wasser da ist, dass ich da gar nicht hinkomme. Die Donau ist gar nicht blau, sondern braun vom Regen.

Ein ganzes Stück muss ich bergan fahren. Oben angekommen traue meinen Augen kaum: 30 Fahrradkilometer trennen mich noch vom Bodensee, aber ich kann ihn schon sehen: Das Panorama vom Berggasthof Witthoh aus ist atemberaubend. Bei der Abfahrt wird die Landschaft weiter. Obstbäume wechseln sich mit Feldern und Dörfern ab. Vorbei geht es an Wahlwies, Stahringen und Güttingen. Und zack komme ich in Radolfzell bei meiner Schwester an. Sie überreicht mir ein gelbes Trikot. Ich freue mich riesig und posiere für ein Sieger-Foto. Gegen wen ich gewonnen habe? Gegen mich selbst.

 

Tipps für die E-Bike Tour

  • Vor dem Start eine Test-Tour mit Gepäck fahren, am besten mit Übernachtung. Wer untrainiert ist, sollte die Etappen nicht zu lang machen. 60 bis 100 Kilometer am Tag sind realistisch.
  • Weniger Gepäck ist mehr: eine Radler-Montur und zwei Freizeit-Outfits reichen. Waschmittel und für den Notfall Frucht-, Hafer oder Eiweißriegel gehören genauso ins Gepäck wie ein Notall-Set mit Ersatzschlauch, Flickzeug, Luftpumpe und Basis-Werkzeug.
  • Tourplanung und Navigation unterwegs gelingen sehr gut mit Fahrrad-Navi-App (z. B. Naviki oder Bikemap). Eine Smartphone-Halterung am Lenker oder eine Rahmentasche mit Smartphone-Fach sind nützlich.
  • Eine gute Fahrradhose ist Gold wert. Vorher unbedingt intensiv testen und bei der Anschaffung nicht sparen.
  • Regenfeste Kleidung und regensichere Fahrradtaschen sind Pflicht.
  • Vor der Tour Fahrrad technisch durchchecken (lassen).
  • Akku laden: Es hängt vom Akku, von der Fahrweise und vom Gelände ab, ob es unterwegs nötig ist, den Akku zu laden. Es gibt spezielle Apps, mit denen man Ladestationen finden kann (z. B. Lade.station). Abends aufladen sollte normalerweise für den kommenden Tag reichen.
Bilder: Frauke Hewer
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