Ampeln haben in ihrer 120-jährigen Geschichte einige Technologiesprünge erlebt. Der nächste Schritt geht hin zur smarten, umweltfreundlichen Ampel.

Moderne Ampeln – von wegen
„grüner wird’s nicht“

Seit fast 120 Jahren regeln Ampeln den Verkehr. Wie das Automobil haben sie in dieser Zeit eine Menge Technologiesprünge erlebt. Der nächste logische Schritt geht hin zur smarten, umweltfreundlichen Ampel.

Montagmorgen, 7:30 Uhr in Deutschland, grüne Welle auf dem kompletten Weg ins Büro. Na gut, ähnlich lebensfremd träumen wir auch samstagabends vom Lotto-Jackpot. Der Unterschied: Zahlreiche Ingenieure beschäftigen sich damit, dass zumindest die Ampel-Utopie in naher Zukunft zur Realität wird.

Wie es war – wie es ist

Die ersten Ampeln – allen voran der Prototyp, der 1914 in Cleveland, USA aufgestellt wurde – waren nicht sonderlich smart. Sie hatten gerade mal zwei Farben, rot und grün, und die reichten für die Autos und Pferdekutschen damals locker aus. Die Farbe Gelb kam erst dazu, als die Fahrzeuge schneller wurden.
Seit den 1980ern sind die Ampeln in den meisten Städten elektronisch geregelt. Mithilfe von Induktionsschleifen im Asphalt messen sie den Verkehr und können selbstbestimmt schalten und walten. Meistens können sie zudem zentral aus einer Verkehrsleitstelle geschaltet werden. Vielerorts priorisieren Ampeln Busse und Straßenbahnen, sorgen für freie Fahrt für Rettungsfahrzeuge oder beziehen die Wetterlage in Schaltphasen ein.
Klar ist allerdings: Ampeln müssen in Zukunft noch smarter sein, weil sie mittlerweile eine weitere Funktion übernommen haben: den Umweltschutz. Eine grüne Ampel spart dem Autofahrer nämlich nicht nur Zeit auf dem Weg ins Büro, sondern senkt auch den Spritverbrauch – und somit die Emission von CO2 und anderen Abgasen. Wie der beste Weg hin zur umweltfreundlichen Ampelschaltung aussieht, wird zurzeit in unterschiedlichen Projekten untersucht.

Das Display im Auto zeigt an, bei welcher Geschwindigkeit man an der nächsten Ampel nicht anhalten muss.
Der Fahrer sieht, bei welcher Geschwindigkeit er an der nächsten Ampel nicht anhalten muss.

Die Nostradamus-Ampel

Je mehr Daten die Ampel zur Verfügung hat, desto schlauer kann sie schalten. Deshalb sammeln smarte Ampeln noch mehr Informationen: Zusätzlich zu den Daten der ortsfesten Detektoren werden beispielsweise auch Videobilder analysiert. So hat die Technische Universität Graz gemeinsam mit der Stadt Wien ein Projekt vorangetrieben, um einen Teil der rund 200 Fußgängerampeln in der österreichischen Hauptstadt mit Kameras auszustatten. Diese sollen schon im Vorfeld erkennen, ob ein Fußgänger den Wunsch hat, die Ampelkreuzung zu überqueren – also schon deutlich, bevor er überhaupt an der Ampel angekommen ist, um den Knopf zu drücken. Die Ampel schaltet für den Fußgänger dann automatisch auf grün, allerdings immer abhängig vom Autoverkehr, sodass es nicht zu unnötigen Staus kommt. Außerdem erkennt das System, ob im Abstand kurzer Zeit mehrere Menschen die Kreuzung überqueren möchten. Dann bekommen die Autos auf der Strecke nicht kurz hintereinander zweimal rot, sondern nur einmal – nämlich, wenn alle Fußgänger bereitstehen.

Grüne Welle im Display

In anderen Städten werden mittlerweile die Bewegungsmuster der Smartphones in der Umgebung erfasst und in die Ampelschaltung einbezogen. Das wichtigste Werkzeug der Ampel von morgen ist aber sicherlich die sogenannte Car-to-X-Kommunikation. Dabei senden sich Ampeln und Autos gegenseitig Verkehrsinformationen zu.
Ein sehr ambitioniertes Projekt läuft hierzu beispielsweise beim Autohersteller Audi: Dessen neueste Fahrzeuge können heute schon mit rund 10.000 Ampeln weltweit kommunizieren, etwa auch mit einem großen Teil der Ampeln in Ingolstadt und Düsseldorf. Ist der Fahrer auf einer Strecke mit vernetzten Ampeln unterwegs, sieht er in seinem Display, welche Geschwindigkeit er fahren muss, um die grüne Welle mitzunehmen. Fährt er hingegen auf eine rote Ampel zu, zeigt ihm sein Fahrzeug an, wie lange es dauert, bis diese wieder auf grün springt. So kann er gemütlich ausrollen und damit Sprit sparen. Im Pilotprojekt konnte Audi den Kraftstoffverbrauch auf den Teststrecken um 15 Prozent senken. Das ist gut für die Umwelt, den Geldbeutel – und dem Traum von der grünen Welle am Montagmorgen kommt der Fahrer damit auch ein großes Stückchen näher.

Bilder: Audi AG
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