Autosattler:
Handwerk mit Liebe zum Detail

Ein Brandloch im Bezug des Autositzes, eine unbequeme Motorradsitzbank oder der Wunsch nach farbigem Leder – für Autosattler Tobias Goldschmid kein Problem. Denn der 35-Jährige versteht sein Handwerk.

Der Beruf des Sattlers steht heutzutage nicht gerade ganz oben auf der Wunschliste der Schulabgänger. „Dabei ist das ein sehr abwechslungsreiches und vielfältiges Handwerk“, weiß Tobias Goldschmid. Nach seiner Gesellenprüfung dauerte es seinerzeit nicht lange, und er machte sich gemeinsam mit seinem heutigen Kompagnon Norbert Dausel selbstständig. Seit zehn Jahren betreiben die beiden nun das „G&D Sattlerwerk“ in Stuttgart-Plieningen.

So manches Schmuckstück kommt Tobias Goldschmid unter die Hände – wie dieser altehrwürdige Opel Rekord.

Als wir zum Gespräch in die Halle kommen, steht dort ein cremefarbener, sehr gepflegter Oldtimer. Für eine Reparatur baut Goldschmid aus dem Opel Rekord gerade den Fahrersitz aus. Ins Sattlerwerk kommen Kunden mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen und den verschiedensten Anliegen. Mal gilt es, die Rückbank eines Citroën 2CV aufzubereiten, mal gefällt dem Käufer des neuen Porsches die Farbe der Bezüge nicht mehr. Dann wechselt Goldschmid sie aus. Maßgeschneidert und nach den Wünschen der Kundinnen und Kunden.

Der Sitz ist aufgebaut.

Dabei kann er auf Lederstücke in vielen Farben und eine Wand voll mit Garnen aller Couleur zurückgreifen. In seiner Ausbildung hat Goldschmid schließlich gelernt, wie man Leder von Hand näht. Oder aber der Bezug des Seitenteils am Autositz ist vom vielen Ein- und Aussteigen abgenutzt. Dann tauscht er das beschädigte Stück aus. Egal, ob der Bezug aus Leder, Kunstleder oder Stoff gefertigt ist.

Für jede Naht die passende Garnfarbe

Ein wenig Polsterei gehört ebenfalls zum Alltagsgeschäft des Sattlers. Schließlich sollen die Kunden später bequem in oder auf ihrem Fahrzeug sitzen. Nicht selten verhilft er Motorradfahrerinnen oder -fahrern zu einem komfortableren Gefühl auf ihrem Bike, indem er zum Beispiel ein Gelkissen in die Sitzbank einarbeitet.

Azubis sind Mangelware

Im „G&D Sattlerwerk“ wurden im Laufe der Jahre einige junge Menschen ausgebildet. Norbert Dausel ist Sattlermeister, Goldschmid selbst Mitglied im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Region Stuttgart. Derzeit wuppen die beiden die Arbeit allerdings mit einer Teilzeitkraft alleine. Eine fähige junge Frau ist nach ihrem Gesellenabschluss in die Industrie – zu Porsche – abgewandert. „Es ist derzeit nicht einfach, Azubis zu bekommen, die sich wirklich einbringen möchten“, sagt Goldschmid. Er hofft, dass sich das wieder ändert. „Mir liegt die Zukunft unseres Berufsstandes sehr am Herzen.“

Infos zum Handwerk

Eine Ausbildung zum Sattler der Fachrichtung Fahrzeugsattlerei dauert in der Regel drei Jahre. In dieser Zeit lernen die Azubis unter anderem, wie sie Autositze polstern, Inneneinrichtungen für Fahrzeuge anbringen, Verdecke für Cabriolets sowie Planen für Lkws montieren und beschädigte und alte Ausstattungen reparieren und restaurieren. Sattler sind Spezialisten für die Verarbeitung von Leder, Kunstleder, textilen und technischen Schwergeweben.

Alle Bilder: Thomas Hörner

 

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