Anna erklärt’s:
Bremsen

Stehenbleiben ist doof. Nicht bremsen können - doofer. Worauf es bei der Bremsanlage ankommt: Anna erklärt’s.

Kaum ein Thema wurde in den Medien über Werkstatt-Tests stärker fokussiert als das Tauschen der Bremsanlage: Der ­Kunde wurde betrogen, belogen, ausgenommen. Natürlich gibt es das ein oder andere schwarze Schaf. In der Regel agiert die Kfz-Werkstatt aber zu Gunsten des Kunden. Und der möchten gerne ein fahr- und bremsbares Auto nach einer Inspektion haben. Viel Frust ist unbegründet, wenn man die technischen Bauteile grob versteht. Auch wenn eine Bremsanlage zum Zeitpunkt der Inspektion noch gut funktioniert, kann das 3.000 Kilometer später ganz anders aussehen. Wir zeigen euch im Beitrag, wann was fällig ist.

Wenn es quietscht, ist ein Bremsentausch fällig?

Ein Quietschen im Sommer kann vorkommen, wenn Staub nach einer längeren Regenpause die Bremsanlage „verstaubt“. Das nervt – ist aber nicht weiter tragisch. Bei einem „malmenden“ Geräusch, sind recht sicher die Bremsbeläge platt.

Völlig fatal!?

Auf einer Reise geht im Cockpit die Bremsverschleißanzeige an und blinkt uns in hellem Orange ins Gesicht. Was nun tun? Am besten Ruhe bewahren. Denn, wie zum Beispiel beim Tank, ist hier ein guter Puffer eingeplant, bis es wirklich brenzlig wird. Je nach Fahrweise und Fahrzeug hat man noch locker 3.000 Kilometer Puffer, um zum Tauschen der Beläge in die Werkstatt zu fahren.

Geschulter Blick

Je nach Felgenbauart kann der ­Zustand von Bremsbelägen und Brems­scheiben vom Kfz-Profi auch ohne ­Demontage des Rades durch einen Sichtcheck erfolgen. Stahlfelgen bieten weniger Einblick als ­Aluräder
mit großen Speichen, wie im Bild zu sehen ist.

Voll gebremst?

Nach einer Vollbremsung, zum Beispiel auf der Autobahn, können die Bremsscheiben verzogen sein. Ein leichtes, regelmäßiges Scharren von vorne und Ruckeln im Lenkrad machen darauf aufmerksam. Ärgerlicherweise kann das auch eine neu überholte Bremse betreffen. Die extreme Hitze kann neues Material zum leichten Verbiegen bringen.

Halter versus Belag

Im Bild rechts, gelb markiert, ist der Halter – ­daneben der Belag. Auf diesen kommt es beim Wechsel an. Sind Halter und Belag etwa gleich dick, steht ein Bremsbelagwechsel, je nach Fahrweise und Modell, grob innerhalb der kommenden 3.000 Kilometer an. ­Getauscht werden die Beläge auf einer Achse. In der Regel also vier Stück.

Dick und doof

Die Problematik komplett abgefahrener Beläge (ganz unten) ist, dass auch die Bremsscheibe in Mitleiden­schaft gezogen werden kann. Scheiben und Beläge zu wechseln, ist deutlich teurer, als nur die Beläge zu ersetzen. Auch wenn die Backen sehr alt sind, muss ein Wechsel erfolgen.

Gelocht, geschlitzt, gekühlt

Beläge pressen auf Scheiben. Bremsscheiben sind unterschiedlich in ihrer Bauart. Im Bild ist eine ­gelochte und innenbelüftete Bremsscheibe zu sehen. Dieses Modell kommt eher bei höher motorisierten Fahrzeugen vor und ist meist teurer als die für kleinere Autos.

Druckaufbau

Über den Bremssattel wird beim Tritt auf das Bremspedal die Bremsflüssigkeit komprimiert. Dadurch presst ein Kolben, teils auch mehrere, die Bremsbeläge zusammen auf die Bremsscheibe. Das Auto verzögert, oder steht. Auch die Kolben können unter Alterung leiden und müssen dann überholt werden.

Keine Angst vor ­Abzocke!

Eine gute Werkstatt berät immer fair. Es obliegt dann auch dem Kunden, ob er oder sie innerhalb von einer Verschleißgrenze zu einem Wechsel der Beläge und/oder Scheiben nochmal in die Werkstatt kommen mag. Ansonsten werden auch ­Beläge getauscht, die noch ok, aber innerhalb der kommenden Monate fällig sind. Oft gelten auch Verträge, die eine Mobilitätsgarantie einhalten müssen. Ein Dialog bezüglich der Nutzung des Pkw und dem Kosten-­Nutzen-Faktor macht alles viel einfacher.

Bilder: Nikolaos Radis
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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Artikel über Bremsbeläge. Wir haben letzten Sommer ein neues Auto gekauft und ich habe mich gefragt, warum die Bremsen manchmal das Quietschen machen und ob es etwas mit den Bremsbelägen zu tun hat. Gut zu wissen, dass das Geräusch auch durch den Staub entstehen kann.

    1. Hallo Frau Horneke, vielen lieben Dank für Ihr Lob. Freut mich, dass Sie mein Artikel weitergebracht hat. Beste Grüße Anna Matuschek

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