Mist! 900 Euro für einen neuen Klimakompressor. Zumindest geht jetzt die Klimaanlage wieder. Hätte aber nicht sein müssen. Mit einer regelmäßigen Wartung in einer Fachwerkstatt wäre der Schaden wohl nicht passiert.
Klimaanlage im Auto ist eine tolle Sache. Sie macht im Innenraum schön kühl, wenn das Auto in der Sonne brutzelt. Und das ist wichtig, denn die Klimaanlage trägt erheblich dazu bei, das Unfallrisiko zu senken. Denn die körperliche Belastung bei steigenden Temperaturen im Fahrzeuginnenraum führt dazu, dass die Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen abnehmen. Das bestätigen Untersuchungen der Gesamthochschule Wuppertal im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen. Ergebnis: Bei einer Temperatur von 27 Grad im Fahrzeuginnenraum steigt die Zahl der Unfälle innerorts um elf Prozent. Bei 32 Grad Innenraumtemperatur sogar um rund 22 Prozent.
Immer im Ring rum
Was die meisten Autofahrenden nicht wissen: Die Klimaanlage ist komplex aufgebaut und ihr Herzstück, der Klimakompressor, ein Schwerstarbeiter. Die Klimaanlage ist ein geschlossenes System, das mit einem Kältemittel befüllt ist. Der Kompressor saugt gasförmiges Kältemittel an und verdichtet es. Dabei erwärmt es sich auf bis zu +80 Grad. Der Druck nach dem Kompressor ist enorm, 8 bis 17 bar. Nach dem Kompressor kommt der Kondensator, der vorne am Fahrzeug sitzt. Fahrtwind und Lüfter kühlen das Kältemittel ab. Dabei verflüssigt es sich. Anschließend wird es durch den Filtertrockner geleitet und gereinigt. Dabei werden auch mögliche Wasseranteile entzogen. Im Luftkanal der Klimaanlage sitzt der Verdampfer. Hier ändert das Kältemittel erneut seinen Aggregatzustand – wieder zu gasförmig. Die Anlage bläst die entstehende Verdunstungskälte in die Fahrgastzelle und kühlt so den Innenraum. Aus dem Verdampfer gelangt das Kältemittelgas schließlich zurück in den Kompressor – und der Kreislauf beginnt von vorne.
Verluste sind normal
Anders als stationäre Klimaanlage ist die im Auto ständig in Bewegung, wenn das Fahrzeug fährt. Durch diese Vibrationen kann eine Klimaanlage jährlich 10 bis 15 Prozent Kältemittel verlieren – durch Diffusion über Schläuche, Dichtungen und Anschlüsse sowie durch Undichtigkeiten im Kreislauf. So ein bisschen Schwund ist also normal. Problematisch wird es, wenn kein Kältemittel über einen längeren Zeitraum nachgefüllt wird. Warum? Weil das im Kältemittel enthaltene Öl den Kompressor schmiert. Wenn kein oder zu wenig Öl vorhanden ist, überhitzt der Kompressor und geht kaputt. Das passiert jährlich zehntausendfach. Ein gutes Geschäft für die Hersteller, eine Menge Geld für die Autobesitzer.
Aber auch die anderen Komponenten der Klimaanlage sollten regelmäßig geprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Der Filtertrockner zum Beispiel. Er entfernt Verunreinigungen und Lufteinschlüsse aus dem Kältemittel und entzieht ihm Feuchtigkeit. So schützt er die Bauteile vor Schäden durch Schmutz, Korrosion und Fehlfunktionen.
Wartung ist etwas für Profis
Eine Klimaanlage zu warten, ist nur etwas für Profis. Denn dafür braucht es ein Klimaservicegerät und eine spezielle Qualifizierung. Der Sachkundenachweis ist für Arbeiten an Kfz-Klimaanlagen mit fluorierten Treibhausgasen (F-Gase, R134a, R1234yf) gesetzlich vorgeschrieben. Er berechtigt zur Wartung, Reparatur und Kältemittel-Rückgewinnung.
Die eigentliche Wartung der Klimaanlage läuft nahezu automatisch ab. Der Kfz-Profi schließt zwei Schläuche an den Klimaanlagenkreislauf an – einen an der Niederdruck- und einen an der Hochdruck-Seite. Anschließend pumpt er das Kältemittel ab und wiegt es, um zu prüfen, ob noch genügend davon in der Anlage vorhanden ist. Dafür gibt er das vorgeschriebene Sollgewicht ein und drückt auf den Startknopf, und das Servicegerät spult sein Wartungsprogramm ab.
Dichtigkeit prüfen
Ist tatsächlich mehr Kältemittel aus der Anlage entwichen als üblich, muss sie evakuiert werden. Dazu wird in der Klimaanlage für zehn Minuten ein Vakuum erzeugt, um auch den letzten Rest des Kältemittels noch aus dem System zu ziehen. Ist alles draußen, prüft das Servicegerät die Dichtigkeit der Anlage. Sollte sie ein Leck haben, darf sie nicht wieder befüllt werden. So sieht es der Gesetzgeber vor, und entsprechend ist das Servicegerät programmiert. Schließlich soll das Kältemittel nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Ist alles dicht, befüllt das Servicegerät die Klimaanlage mit dem abgepumpten und danach gereinigten Kältemittel. Nur die Nachfüllung erfolgt mit neuem Kältemittel.
Lohnende Investition
Eine Stunde hat das Ganze gedauert. Für den Klimaservice muss man im Schnitt mit rund 150 Euro rechnen – je nach Menge und Art des nachgefüllten Kältemittels wird. Unterm Strich rechnet sich der Werkstattbesuch allemal. Denn läuft die Anlage trocken, weil nicht mehr genug Kältemittel drin ist, geht sie kaputt. Dann wird es richtig teuer.



