Steigende Ersatzteilpreise und hohe Werkstattkosten treiben seit Jahren die Ausgaben für Autoreparaturen von Autofahrenden und Kfz-Versicherern in die Höhe. Was sind die Gründe dafür?
Teuerungen allüberall – für den Wocheneinkauf, Restaurants, Klamotten oder Urlaub müssen wir immer tiefer in die Tasche greifen. Kommt es zu einem Werkstattbesuch, weil der Pkw nach einem Blechschaden instandgesetzt werden muss, fallen viele beim Blick auf die Rechnung vom Glauben ab. In kaum einer anderen Branche steigen die Preise so stark wie beim Werkstattbesuch.
Das bestätigt der Gesamtverband der Versicherer (GDV) in einer neuen Untersuchung der Zahlen von Kfz-Versicherern. Demnach werden die Reparaturkosten auch 2025 weiter steigen – Hochrechnungen zufolge geben die Versicherer 4,5 Prozent mehr für Schäden aus. Der 10-Jahres-Vergleich zeigt es deutlicher: Durchschnittliche Haftpflicht-Sachschäden stiegen von 2.500 Euro (2013) auf 4.000 Euro (2023).
Arbeit und Ersatzteile teurer
Gründe für den Preisanstieg sind steigende Löhne und Fachkräftemangel – mit Auswirkungen auf den Stundenverrechnungssatz. Dieser stieg im Bereich Mechanik und Karosserie 2023 um 8,6 Prozent auf 188 Euro, für Lackierarbeiten auf 205 Euro – wobei die GDV-Zahlen nicht zwischen freien und markengebundenen Werkstätten unterscheiden. Freie Werkstätten sind erheblich günstiger: Vertragswerkstätten verlangen meist doppelt so hohe Stundensätze.
Doch die wahre Kostenfalle sind die Ersatzteile, besonders sichtbare Karosserieteile wie Kotflügel, Scheinwerfer oder Kofferraumklappen. Während die Verbraucherpreise seit 2014 um knapp 30 Prozent stiegen, kletterten die Preise hierfür im Schnitt um 75 Prozent. Das führt dazu, dass selbst kleine Blechschäden sehr teuer werden. Dieses Quasi-Monopol für sichtbare Ersatzteile entwickelt sich zu einer Kostenfalle für Autofahrende, da Hersteller die Preise fast nach Belieben diktieren können. Zwar führte die Bundesregierung 2020 eine Reparaturklausel ein, doch wegen langer Übergangsfristen wird ein wirklich freier Wettbewerb auf dem Ersatzteilmarkt erst 2045 möglich.
Interview mit Werkstattinhaber Martin Wollinger
Wann haben Sie zuletzt mit einer Kundin oder einem Kunden über Werkstattpreise gesprochen?
Ehrlich gesagt, erinnere ich mich an kein Kundengespräch in der jüngeren Vergangenheit, in der es um steigende Preise geht. Das ist ja ein allgemein häufig diskutiertes Thema in den Medien und an den Stammtischen. Hier in unserer Werkstatt geht es im Austausch mit unseren Kunden eher um Termine und um die Dauer einer Reparatur. Und da sind uns oft die Hände gebunden, vor allem bei Ersatzteilen, die direkt vom Fahrzeughersteller kommen. Aktuell haben ja viele Originalteile teilweise sehr lange Lieferzeiten. Das ist dann schon eher ein Thema.
Und diese Ersatzteile werden auch immer teurer. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet regelmäßig über überproportional steigende Preise für Ersatzteile. Was sind die Gründe für diesen Höhenflug?
Hierbei geht es um sichtbare Ersatzteile, also um Kotflügel, Türen, Scheinwerfer, Scheiben oder Heckklappen – also um alles, was Form und Aussehen des Fahrzeugs ausmacht. Und dafür gilt dank einer EU-Regelung der sogenannte Designschutz für Fahrzeuge, die nicht älter als acht Jahre sind. Bis vor kurzem waren es sogar noch 25 Jahre. Die Regelung besagt, dass diese Teile nur vom Fahrzeughersteller angeboten werden dürfen. Es herrscht ein Quasi-Monopol, bei dem der Hersteller die Preise nahezu frei bestimmen kann. Das hat zur Folge, dass die Preise übermäßig steigen. Die Leidtragenden sind Werkstattkunden, aber auch die Werkstätten, die ihren Kunden bei solchen Teilen keine Alternativen anbieten können. Wir binden bei dieser Frage den Kunden immer mit ein.
Hinzu kommen immer höhere Stundensätze. Was tut Ihre Werkstatt?
Es ist sehr wichtig, dass wir beim Stundensatz auch die Rahmenbedingungen einbeziehen. Dazu gehört beispielsweise die Lage einer Werkstatt: Die Miete, der Bau oder der Kauf in zentrumsnaher Lage einer Großstadt ist sehr viel teurer als in einer ländlichen Gegend. Außerdem spielen Kaufkraft der Bevölkerung und Wettbewerbssituation eine Rolle. In Regionen mit einem größeren Angebot an Werkstätten müssen Inhaber und Betreiber konkurrenzfähige Preise aufrufen. Hinzu kommt, mit welchen Services sich die Werkstatt aufstellt und welche Werkstattausrüstung für diese Services notwendig ist. Es ist doch nachvollziehbar, dass für Diagnose- oder Lackierarbeiten ein anderer Stundensatz aufgerufen werden muss als für den Tausch eines Luftfilters.
Wir haben die Stundensätze in unserer Werkstatt in den vergangenen Jahren zwei Mal sehr moderat angehoben. Unsere Klientel vertraut auf uns als fairen Geschäftspartner und kompetenten Problemlöser – das ist uns sehr wichtig. Am Ende muss das Auto sicher funktionieren. Dieser Anspruch eint uns mit unseren Kunden.
Worin unterscheiden sich freie Werkstätten von markengebundenen Häusern beim Thema Ersatzteilpreise und Stundensätze?
Wir tragen nicht umsonst das „Frei“ in unserem Namen. Das heißt, wir sind nicht an bestimmte Automarken oder Handelshäuser gebunden, können unsere Lieferanten frei wählen und sind daher auch meist in der Lage, Reparaturen preiswert anzubieten. Vertragswerkstätten haben durchweg höhere Stundensätze und sind bei Ersatzteilen häufig an den Fahrzeughersteller gebunden. Bei einer Sache gehen wir allerdings keine Kompromisse ein: Wir arbeiten immer strikt nach Herstellervorgaben und haben deshalb auch Zugriff auf deren Wartungs- und Servicepläne. Da wir fast 50 Jahre Markenwerkstatt waren und ebenso freie Mehrmarkenreparaturen angeboten haben, kennen wir den Spagat.


