Die Parkplatzsuche ist oft frustrierend. In Deutschland, Großbritannien und den USA ist laut einer Studie die Parkplatzproblematik besonders prekär.

Parkplatzsuche:
Wut zur Lücke

Die Parkplatzsuche frustriert oft. In Deutschland, Großbritannien und den USA ist laut einer Studie die Parkplatzproblematik besonders prekär.

Oma liegt im Krankenhaus, ein Besuch steht an. Das Krankenhaus ist mitten in der Stadt und die Straße, an der es liegt, heißt Eierstraße. Lustig, denn man macht ja nichts anderes als rumeiern, wenn man vergeblich versucht, einen freien Parkplatz am Straßenrand zu ergattern.

66 Prozent der Autofahrer fühlen sich bei der Parkplatzsuche gestresst, 44 Prozent verpassen deswegen einen Termin. Und 27 Prozent geben ganz auf, weil sie am Fahrtziel keinen Parkplatz finden. Das besagt eine Studie des Verkehrsdatenanbieter Inrix. Oma ist wieder gesund – die Parkplatzsuche aber bleibt ein chronisches Leiden.

41 Stunden verschwendet ein deutscher Autofahrer Inrix zufolge jährlich bei der Parkplatzsuche, das kostet ihn Nerven – und das Land jährlich geschätzte 40,4 Milliarden Euro. Geld, das man sinnvoller ausgeben könnte, zum Beispiel für Schokolade. Die soll ja gut für die Nerven sein und verschleißt jährlich nur einen Bruchteil dieser Summe.

 Ab ins Parkhaus?

In der Innenstadt zu wohnen, hat Vorteile. Immer einen Parkplatz zu finden, gehört aber sicher nicht dazu. Volle Straßen, zäher Verkehr und nennen wir es mal kreative Parklösungen gehören zum Alltagsbild. Ein Grund dafür sind laut einer Studie von Audi die Parkplatzsuchenden: sie verursachen rund 30 Prozent der Staus während der Hauptverkehrszeit.

Im Schnitt bekommen deutsche Autofahrer rund einen Strafzettel für Falschparken pro Jahr. Das klingt erst mal nicht so übel, aber wenn man bedenkt, dass es Statista zufolge mittlerweile rund 36 Millionen Autofahrer in Deutschland gibt, sieht das schon anders aus. In Frankfurt haben die es bei der Parkplatzsuche besonders schwer: dort verbringen Suchende damit rund 65 Stunden pro Jahr. Tritt der glückliche Fall ein, dass sie an der Straße eine freie Lücke finden, zahlen die Frankfurter dann rund sechs Euro für zwei Stunden parken, ebenso viel wie etwa in München oder Hamburg.

Die Alternative: Parkhäuser. Diese bequeme Variante bevorzugen immerhin 77 Prozent der Autofahrer. Das Auto im Parkhaus abzustellen kostet im Schnitt vier bis sechs Euro für zwei Stunden. In den meisten deutschen Großstädten gibt es Parkleitsysteme, die den Weg in die Parkhäuser weisen und anzeigen, wie viele Parkplätze noch frei sind. Hamburg und Köln bieten die Systeme sogar auf den Stadtportalen im Internet an. Autofahrer können somit schon von zuhause aus abschätzen, zu welchem Parkhaus sich die Anreise lohnt. Aber hier ist der Weg eben nicht das Ziel, denn im Parkhaus angekommen, kann die Situation schon wieder anders sein.

Besser sind da noch Apps, wie Apcoa Flow. Dort werden alle verfügbaren Parkhäuser in der Umgebung angezeigt, mit Infos in Echtzeit zu noch verfügbaren Parkplätzen, Öffnungszeiten und Preisen. Zudem kann man eine Karte mit RFID-Sensor nutzen, die durch hinterlegte Kreditkarteninfos in der App vollautomatisch und bargeldlos abrechnet – und so den Gang zum Automaten spart.

Soweit, so gut. Das Problem auf den Straßen lösen die Parkhäuser aber auch nicht. Rund 1,1 Millionen solcher „On-Street“-Parkplätze soll es in Deutschland geben. Potenzial, das besser genutzt werden könnte, finden Automobilkonzerne, Verkehrsexperten und Start-Up-Gründer.

Wie die Parkplatzsuche auf der Straße besser werden soll

Shared Parking

Teilen ist eine Möglichkeit. Die Idee: Private Parkplätze, die nicht öffentlich zugänglich sind, können untereinander geteilt werden, wenn sie gerade nicht benötigt werden. Die eigene Hofeinfahrt oder Hotel- und Restaurantstellplätze können über Apps wie Ampido oder ParkU an Parkplatzsuchende vermietet werden. Durchgesetzt hat sich dieses Konzept bislang aber nicht.

Mit Apps wie Ampido kann die eigene Hofeinfahrt vermietet werden.
Mit Apps wie Ampido kann die eigene Hofeinfahrt vermietet werden.

Smart Parking

Auch die großen Industrie- und Automobilkonzerne mischen mit. Bosch etwa hat Parksensoren entwickelt, die im Vorbeifahren freie Parklücken erkennen. Die Sensoren sind bereits in vielen Neuwagen verbaut. Die Parkdaten sollen künftig in eine Cloud geladen werden, wo man sie dann für alle teilnehmenden Fahrzeuge aufbereitet. Die freien Parklücken kann der Autofahrer dann im Navigationssystem sehen. Noch in diesem Jahr soll der Service von Bosch für ausgewählte Fahrzeuge an den Start gehen. Auch ausgewählte BMW-Modelle zeigen den Autofahrern freie Parkflächen im Navigationssystem an. Bei der Umsetzung arbeitet der Automobilhersteller mit Inrix zusammen. Siemens nutzt ebenfalls Clouddaten, anders als bei Bosch werden die aber nicht von den Autofahrern selbst, sondern über ein Radar gesammelt. Das Radar errechnet dann mittels Algorithmus, wo noch freie Parkplätze sein müssten. Das System wird derzeit zum Beispiel in Berlin getestet.

Audi arbeitet seit 2015 mit der amerikanischen Stadt Somerville zusammen. In Somerville sollen demnächst Fahrzeuge autonom in Parkhäusern einparken und mit den vernetzten Ampeln der Stadt kommunizieren, damit diese immer entsprechend der Verkehrslage geschaltet werden können, um so Stau zu vermeiden.

Ein Radar registriert, wo es noch freie Plätze gibt. Bild: AdobeStock / chesky
Ein Radar registriert, wo es noch freie Plätze gibt. Bild: AdobeStock / chesky

Bodensensorik

ParkHere ist ein Start-Up der Technischen Universität München und entwickelt Sensoren, die in die Straße eingelassen werden und erkennen sollen, ob gerade ein Auto auf ihnen parkt oder ob der Parkplatz frei ist. Diese Information wird per Funk an eine in der Nähe befindliche Basisstation gesendet. Von dort aus werden die Daten ähnlich wie bei Bosch oder Siemens in die Cloud gesendet. Der Autofahrer kann dann über eine App auf die Echtzeit-Daten zugreifen und sieht die freien Parkplätze. Zudem sind die Sensoren von ParkHere energieautark – sie müssen nicht geladen werden, weil sie sich selbst mit Energie versorgen. Denn wenn ein Auto über den Sensor fährt, erzeugen Kristalle in den Sensoren durch den Druck und die Vibration der Autos Energie.

ParkHere möchte seine Sensoren auch an Kommunen und Städte verkaufen. Die reagieren aber noch verhalten, denn in vielen Fällen sind die Technologien noch in der Testphase. In den USA werden die Bodensensoren bereits verwendet: San Francisco hat 8.200 Sensoren im Asphalt verlegt. Die Belegung wird dynamisch geregelt: Sobald viele der mit Sensoren ausgestatteten Parkplätze belegt sind, wird das Parken teurer – so sollen wieder Plätze frei werden. Falls auf den 8.200 Parkplätzen wenig los ist, werden die Preise wieder gesenkt oder das Parken wird ganz kostenlos. Die aktuellen Preise finden die Autofahrer im Internet und können dann entscheiden, ob sich die Fahrt mit dem Auto lohnt oder ob es mehr Sinn ergibt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu fahren.

Die Sensoren sind in die Straße eingelassen und erkennen, ob gerade ein Auto auf ihnen parkt oder ob der Parkplatz frei ist. Diese Information wird per Funk an eine in der Nähe befindliche Basisstation gesendet. (Bild: Park Here)
Die Sensoren sind in die Straße eingelassen und erkennen, ob gerade ein Auto auf ihnen parkt oder ob der Parkplatz frei ist. Diese Information wird per Funk an eine in der Nähe befindliche Basisstation gesendet. (Bild: Park Here)

Fazit

In der Sommerpause sind Baustellen kein seltenes Bild: Fast an jeder Ecke werden Straßen erneuert, Gebäude ausgebaut oder ganze Bürokomplexe aus dem Boden gestampft. An die Parkplätze wird aber selten gedacht. Eine konsequente Planung steht in den deutschen Großstädten bislang noch aus. Ähnlich wie bei der Technik selbst, sind auch beim Thema Parkplätze smarte Lösung noch Zukunftsmusik. Normalerweise würde ich sagen: Ob sich das durchsetzen kann, wird sich zeigen. Aber auch die smarteste Lösung bringt nichts, wenn man nicht selbst smart ist und sie nutzt. Runtergeladen habe ich mir die Apps zumindest schon mal.

Titelbild: Getty images / monkeybusinessimages
Zurück zur Startseite

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top