zwei hände, die sich von links und rechts annähern

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Infotainmentsysteme-Test

Optimale Konnektivität und digitale Vernetzung ist nicht nur beim Smartphone gefragt, sondern auch zunehmend im Auto. Die Kunst dabei: Eine gute Balance zwischen ­Ästhetik, Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie.

Die Infotainmentsysteme haben in den vergangenen Jahren eine steile Innovationskurve hingelegt und gelten mittlerweile als wahre Genies. Sie sprechen mit uns, schlagen Musik ganz nach unserem Geschmack vor und zeigen uns stets die schnellste Route ans Ziel. Die Botschaft dabei ist klar: Der Fahrende lenkt, die Technik denkt. Dabei sind viele Features so „nice to have“ wie entbehrlich. Wir haben deshalb für euch unterschiedliche Infotainmentsysteme auf Herz und Nieren getestet. Besonderes Augenmerk legen wir dabei auf eine intuitive Bedienung sowie jene Dienste, welche im Alltag auch wirklich einen Mehrwert bieten.

Mercedes A 220, BJ: 2020

Den Anfang macht ein Mercedes A 220. Das Infotainmentsystem nennt sich MBUX (Mercedes-Benz User Experience). Spektakulär ist schon der Bildschirm. Hinter dem Lenkrad zieht sich die 12 Zentimeter hohe Anzeige über 62 Zentimeter in die Breite. Das linke Element enthält typischerweise die Cockpitanzeige und zeigt hauptsächlich Fahrdaten wie Drehzahl und Geschwindigkeit an. Der zentrale Bildschirm auf dem Armaturenbrett fungiert als Steuerung von zahlreichen Fahrzeugfunktionen sowie als Anzeige von Medieninformationen und Navigation. Beide Monitore sind jedoch frei konfigurierbar und gehen ineinander über.

Was fürs Auge

Nicht nur die wichtigsten Informationen können wir hier individuell anordnen, sondern auch die Anzeigestile bieten eine moderne Auswahl: von „Klassisch“ über „Progressiv“ bis hin zu „Dezent“ oder „Sportlich“. In Kombination mit der Ambientebeleuchtung, deren Farben sich ebenfalls über das Infotainmentsystem anpassen lassen, entsteht ein einheitliches Design ganz nach eigenem Geschmack. Zudem gibt es einen Darkmode. Stellt ihr nichts ein, passt sich das Display automatisch der Umgebung an. Sehr smart.

Beste Smartphone-Integration

MBUX ermöglicht die Unterstützung von Apple CarPlay und Android Auto. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt entweder über Bluetooth oder den USB-C-Anschluss. Die wichtigsten Apps werden auf dem Fahrzeugdisplay gespiegelt, wodurch ihr auch Spotify und Co. nutzen könnt. Obwohl diese Systeme eine Vielzahl von Apps und Optionen bieten, liegt der Schwerpunkt größtenteils auf Medienwiedergabe und Navigation.

Höchster Bedienkomfort

Das neue Bediensystem trumpft mit Flexibilität auf. Wahlweise steuert man mit dem Finger auf dem rechten Bildschirm, mit dem Touchpad zwischen Fahrer und Beifahrersitz, mit Sprachkommandos oder mit den Lenkradtasten. Zu letzterem gehört ein Mini-Touchpad. Nur auf herkömmliche Schalter und Tasten müssen wir bei den neueren Infotainmentsystemen von Mercedes weitgehend verzichten – sie bleiben aber zumindest für die Bedienung der Klimaanlage erhalten. Apropos Sprachkommando: Mit nur zwei Worten („Hey Mercedes“) ist das Fahrzeug ganz Ohr: Ob Nachrichten vorlesen, Navigationsziel eingeben, Temperaturen regulieren – der Mercedes hört durch sein Infotainmentsystem aufs Wort.

Das Beste aus beiden Welten

Die Navigation ist sehr übersichtlich und die Augmented Reality vernetzt die virtuelle mit der realen Welt. Navigations- und Verkehrshinweise werden in die reale Live-Vorschau via Kamera eingeblendet. Ein weiterer Pluspunkt: Nicht nur eine einfache Front- und Heckkamera sind integriert, sondern auch eine Verkehrszeichen- sowie Ampelerkennung – Kopfverrenken und „Wie schnell darf ich hier eigentlich fahren?“ waren gestern.

Genesis GV60 Sport; BJ 2023

Weiter geht’s mit einem Genesis – der Luxusmarke von Hyundai. Der GV60 ist gemeinsam mit dem Mercedes unser Testsieger im smarten Battle. Intuitiver geht kaum. Klassisch, schlicht und dennoch extravagant. Das Infotainmentsystem besteht aus zwei miteinander verbundenen, hochauflösenden 12,3-Zoll-Bildschirmen, die ein Panoramadisplay bilden. Die Einstellungen werden für jeden Fahrzeugnutzer auf einem Profil gespeichert, wodurch man bequem zwischen verschiedenen Einstellungen per Fingerabdruck oder Passwort wechseln kann. Darin enthalten sind auch Voreinstellungen wie die Sitz- und Lenkradeinstellungen.

Optik, wie sie uns gefällt

Beim Genesis ist für jeden Geschmack etwas dabei. Das betrifft nahezu alles, was Schriftgröße, Hintergrund und Thema anbelangt. Tag und Nacht ein Hingucker: Durch eine Voreinstellung können verschiedene Ansichten für gewisse Zeiten programmiert werden. Schick in jedem Stil sind die Untermenüs. Diese sind in verschiedene Funktionsbereiche aufgeteilt und durch große Kacheln visualisiert. Es ist immer klar, an welchem Menüpunkt wir uns befinden. Ausgewähltes erscheint in Farben und mit passenden Bildern. Die anderen Punkte sind währenddessen ausgegraut. Eine weitere Besonderheit: Das Display hat einen Blaulichtfilter integriert, der manuell ein- und ausgeschaltet werden kann. Das schont die Augen.

Ein weiterer Hingucker ist übrigens die beleuchtete Glaskugel auf der Mittelkonsole – dahinter verbirgt sich allerdings kein Gadget für das Infotainmentsystem, sondern die Gangwahl fürs Automatikgetriebe.

Ablenkung adé

Für diejenigen, die nicht auf dem Display rumtippen möchten, gibt es physische Tasten und ein Controller für die wichtigsten Funktionen. Ohne auch nur einen Finger zu rühren, könnt ihr mit der Stimme beispielsweise die Klimaanlage steuern und sonstige Befehle ausführen. Die Sprachsteuerung arbeitet sehr gut und beantwortet euch Fragen à la Alexa oder Siri.

Navigation Deluxe

Die Verkehrsdaten auf der Navi-Route gelangen in Echtzeit ins Fahrzeug. Bei aktiver Navigation bietet auch Genesis eine Augmented-Reality-Darstellung der Fahrzeugumgebung, die von blauen Richtungspfeilen überlagert wird. Das Ganze sieht sehr schick aus.

Drück auf „play“

Apple Carplay und Android Auto funktionieren zwar ausschließlich per Kabel, doch sie funktionieren hervorragend. Ebenfalls wichtig: Hier müsst ihr nicht erst in den Einstellungen suchen, wie ihr das Smartphone mit dem Auto verbindet – es gibt einen extra Menüpunkt für Telefonverbindungen, wodurch dies im Handumdrehen funktioniert.

VW Taigo, BJ: 2022

Volkswagen – das Auto, hat uns ebenfalls beim Infotainment-Test überzeugt. Das System des VW Taigos basiert auf der dritten Generation des Infotainment Baukastens MIB3. Die cloudbasierte Personalisierung „Volkswagen ID“ ermöglicht individuelle Einstellungen.

Sanfte Berührung

Besonders angenehm ist das Gefühl der „leichten Berührung“. Das Touchdisplay funktioniert reibungslos durch ganz softes Antippen. Die Bedienung ist nicht nur in diesem Sinne sehr leicht, sondern auch kinderleicht in der Handhabung. Auch hier ist die User-Experience großartig. Das Menü ist klar strukturiert, ganz ohne unnötige Unterpunkte. Wir haben uns schnell zurechtgefunden.

Ziehen und ablegen

Was das Infotainmentsystem den vergleichbaren Konkurrenten voraus hat: Eine Drag und Drop-Funktion für die Menü-Sortierung. Elemente könnt ihr schnell vom einen zum anderen Ort ziehen. Außerdem lässt sich – so wie wir es von vielen Smartphones kennen – ein Control-Center nach unten ziehen. Hält man einen der Buttons gedrückt, wird dieser als Favorit im Control-Center markiert. Außerdem gibt es auch eine „Wischfunktion“. Genial! Ihr kennt diese Bedienung nicht von euren Handys? Kein Problem, denn die übersichtliche digitale Bedienungsanleitung erklärt jede Handgeste.

Kein Schicki-Micki

Die Darstellung des Systems ist schlicht gehalten – schwarzer Hintergrund, weiße Schrift und wenige blaue Farbakzente. Der Taigo punktet nicht nur mit modernen Bedienelementen, sondern auch mit einem Multifunktionslenkrad. Wer es trotz moderner Funktionsweise eher minimalistisch mag, wird dieses Design lieben.

Extra-Kauf

Im Vergleich zu Infotainmentsystemen anderer Autohersteller hat der VW Taigo einige Funktionen nicht ab Werk. Eine Sprachbedienung beispielsweise kann erst durch einen zusätzlichen Kauf eingerichtet werden. Schade, denn ansonsten überzeugen die Funktionen des VWs.

Cupra Born, BJ: 2023

Wir haben auch einen Cupra Born getestet. Cupra ist ein Tochterunternehmen des zum Volkswagen-Konzern gehörenden Automobilherstellers Seat. Einige Features sind toll, andere Aspekte wiederum haben uns überhaupt nicht gefallen. Intuitiv ist es leider nicht. Das hat uns die Besitzerin des Autos bestätigt, denn auch sie musste häufig auf Google zurückgreifen, um mit der Technik klarzukommen.

Musik, bitte

Was uns beim Cupra überzeugt: Apple CarPlay sowie Android Auto funktionieren tadellos. Zwei Handys können sogar gleichzeitig verwendet werden – hier sollten sich also Fahrer und Beifahrer gut abstimmen. Allerdings gibt es auch noch das gute alte Radio. Und dieses ist sehr übersichtlich. Radiosender lassen sich alphabetisch anordnen und favorisieren. Doch für die Medienwiedergabe gibt es ein kleines Contra: Die Musik spielt nur über Apps ab und nicht über die Medienfunktion im Auto selbst.

Lauter, leiser… aber wie?

Um die Lautstärke zu regulieren, haben wir zunächst versucht, die „Tasten“ unter dem Bildschirm zu drücken. Damit kamen wir nicht weit. Was hier aussieht wie Knöpfe, ist allerdings Touch. Als wir auf der Stelle draufblieben, hat sich was getan. Darauf kommen wohl die wenigsten Nutzer. Abgesehen davon sind sowohl der Bildschirm als auch die „Tasten“ dunkel und unbeleuchtet – somit kaum bis gar nicht erkennbar. Wer denkt, dass die Lautstärkenregulierung problemlos über das Multifunktionslenkrad funktioniert, liegt falsch. Auch hier wird dies über ein „hoch- oder runterwischen“ geregelt. Den Schallpegel der Soundanlage wunschgemäß zu regulieren, gelingt selten auf Anhieb, oft müssen Befehle wiederholt werden.

Von links nach rechts, von oben nach unten

Beim Infotainmentsystem des Cupras scrollen wir im Menü nicht nur von rechts nach links, sondern auch von unten nach oben. Die Menüpunkte links am Bildschirm zeigen stets, wo im Menü wir uns aktuell befinden. Zusätzlich gibt es Schnellzugriffe, die am unteren Rand des Bildschirms dauerhaft sichtbar sind – wie bei einem Smartphone. Auch cool: Der Bildschirm lässt sich in drei verschiedene Kategorien teilen. So können beispielsweise die Navigation, die Medienwiedergabe und auch weitere Fahrzeuginformationen gleichzeitig angesehen werden.

Versteckspiel

Der Cupra hat einige gute Features. Die richtigen Einstellungen im Menü zu finden, geht nicht immer auf Anhieb. Wir mussten uns länger durchs Menü scrollen, um uns in den Unterpunkten zurechtzufinden. So wie beispielsweise bei den Klima- oder Sitzeinstellungen. Hier kann man viele Details einrichten – man muss sie nur finden.

Volvo V60 T8, BJ: 2020

Zu guter Letzt – oder sagen wir eher nur zuletzt – haben den Volvo V60 T8 getestet. Für uns in Sachen Infotainment eindeutig das Schlusslicht. Die intuitive Bedienung, die wir bei allen anderen getesteten Fahrzeugen gelobt haben, ist hier leider nicht vorhanden. Somit ist das Volvo-Infotainmentsystem das schwarze Schaf. Schwarz im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Display ist sehr dunkel. Weiß auf schwarz – sollte man meinen – sei immer gut erkennbar, hier fehlt es nur leider an Kontrast. Vergeblich haben wir versucht, den Bildschirm heller zu stellen, doch das Maximum war in unseren Augen nicht hell genug. Auch die Schriftgröße ist beim Volvo recht klein – diese konnten wir nicht größer machen. Selbst für „junge Augen“ nicht sonderlich angenehm.

Hallo? Ist hier etwas?

Wir sind mit der Digitalisierung vertraut und verbinden ein Smartphone mit einem Auto im Handumdrehen … sollte man meinen. Doch das System des Volvos hat es selbst uns nicht leicht gemacht. Wo ist hier Apple Carplay? Nicht auffindbar. Plötzlich funktionierte die Wiedergabe eines Liedes, obwohl das Display uns sagt „Kein Telefon angeschlossen“. Ob hier ein Anwenderfehler vorliegt, können wir nicht ganz klar sagen. Doch das wäre schon sehr skurril. Allein, dass es lediglich mit größeren Umständen funktionieren würde, wäre schon zu viel des Guten. Schließlich möchte man sich in ein Auto setzen und es intuitiv und schnell bedienen können.

Unterdurchschnittlich

Ja, die Basics sind vorhanden und funktionieren (meistens), wenn auch über Umwege. Wer keine Ansprüche an sein Infotainmentsystem und dessen Optik hat, wird damit wohl zufrieden sein. Doch mehr können wir hierzu leider nicht sagen. Nichtdestotrotz: ein gutes Auto – nur das Infotainmentsystem genügt leider nicht unseren Ansprüchen.

Infotainmentsystem zum Aufrüsten
für jedes Fahrzeug

Ihr habt ein Auto, das kein Infotainmentsystem ab Werk hat? Oder eines, dass euch nicht gefällt? Kein Problem, ihr könnt einfach nachrüsten. Wir haben das 7-Zoll-Modell der Marke P.L.Z für euch getestet. Eine gute Möglichkeit, für rund 180 Euro ein vollumfängliches System aufzurüsten.

Installation im Handumdrehen

Der Bildschirm lässt sich blitzschnell anschließen und einstellen. Sowohl ein Saugnapf, um das System anzubringen, als auch zusätzliche Kabel wie ein AUX-Anschluss, sind im Lieferumfang inbegriffen. Das Autoladegerät mit Stromkabel verfügt über einen zusätzlichen USB-Anschluss, um das Smartphone unterwegs aufzuladen. Außerdem funktioniert hierüber auch eine kabelgebundene Verbindung. Das Display ist groß genug, um alles zu erkennen. Jedoch nicht so groß, dass es das Sichtfeld beeinträchtigt – egal, ob ihr es innen an der Windschutzscheibe oder auf dem Armaturenbrett anbringt. Ihr könnt das gesamte Infotainmentsystem schnell in jedes beliebige Fahrzeug einbauen. Das bedeutet im Klartext: Ein Gerät, mehrere Autos. Klarer Vorteil dieses Modells.

Solide Medienwiedergabe

Die Radiofunktion läuft bei diesem Modell einwandfrei. Zudem könnt ihr kabellos jedes Smartphone schnell und simpel mit dem Autoradio verbinden. Das Infotainmentsystem besitzt nicht nur einen eigenen Lautsprecher, sondern auch eine Freisprechanlage – beide haben eine gute Qualität. Dank der Sprachsteuerung über Siri oder Google Assistant könnt ihr euch mit diesem System vollkommen auf die Straße konzentrieren. Ein allgemein großartiger Vorteil von fortschrittlichen Infotainmentsystemen.

Pluspunkte

Dieses System lässt sich intuitiv bedienen. Die Darstellung sowie die Helligkeit, Auflösung und der Kontrast sind erste Sahne. Ein weiterer Bonus: Im Vergleich zu anderen Infotainmentsystemen könnt ihr auf diesem Exemplar auch Filme streamen oder Spiele spielen. Der gesamte Bildschirm des Smartphones lässt sich auf den Screen projizieren. Somit könnt ihr das System auch zweckentfremden und als Tablet-Ersatz für Kinder nutzen. Ansonsten bitte diese Funktion nicht während der Fahrt nutzen.

Jetzt gewinnen

Übrigens gibt es in dieser motus-Ausgabe das Infotainmentsystem zu gewinnen – motus approved. Ihr wollt eines der drei Exemplare haben? Dann macht bei unserem Gewinnspiel mit.

Titelbild: AdobeStock/Oleksandra
Alle anderen Bilder: Verena Benda
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