Ein blechgewordenes Smiley-Emoji: der sonnengelbe Opel Kadett B Coupé, Baujahr 1969. Unsere Ausfahrt beweist, dass Fahrspaß einfach zeitlos ist.
Ein Ausflug mit dem Opel Kadett B aus unserem Fuhrpark. Denn Oldtimer zu fahren, macht Spaß: Die Passanten winken, die Kinder freuen sich. Und ins Gespräch kommt man bei jedem Ampel- oder Tank-Stopp. Besonders mit unserem sonnengelben Opel Kadett B Coupé.
Kosenamen bei Oldtimern
Basti. Das ist sein Name. Warum? Weil er während einer Teilrestaurierung vor 13 Jahren sehr viele Nerven gekostet hat. Auch der Motor lief nicht wirklich gut. Also wurde viel geschimpft: „du Bastard!“ Nach der Fertigstellung begann der Opel aus dem Baujahr 1969 aber richtig Spaß zu machen. Der Name blieb – allerdings mit freundlicher Verniedlichung von little Bastard zu Basti. In Oldtimerkreisen haben die meisten Fahrzeuge Kosenamen. Die erste Reise mit Kadett B führte nach Belgien, dann über Frankreich nach Spanien. Klar, es gibt elegantere und auch luxuriösere Camper-Möglichkeiten. Aber dank des großen Kofferraums gab es ausreichend Stauraum für Utensilien wie Zelt, Kühlbox und Verpflegung. Während die Reise lange zurück liegt, sind die tollen Erinnerungen mit jedem Starten wieder aktuell. Basti wird mittlerweile nur noch als Spaß-Auto bewegt. Wobei Touren, auch zu Geschäftsterminen mit mehr als 400 Kilometern, keine Seltenheit sind. Natürlich nur im Sommer.
Coupés sind etwas teurer
Basti ist ein Coupé, diese sind bei fast allen Fahrzeugmodellen ein bisschen seltener und beliebter als Limousinen. Dennoch ist so ein Kadett B schon ab 5.000 Euro im fahrbereiten Zustand zu haben. Für perfekte und besonders exotische Modelle gibt es natürlich kein Limit nach oben. Wer aber einfach einen Einsteiger-Oldie haben möchte, ist beim Opel an der richtigen Adresse. Im Vergleich zu einem VW Käfer bekommt man auch mehr für sein Geld: mehr Platz, mehr Leistung, mehr Komfort. Ok, alles ist im Verhältnis zu modernen Fahrzeugen eher spärlich.
„Raserei“ bei Tempo 70
Das macht sich besonders bei der Probefahrt bemerkbar. motus-Redakteur Jan Peters und Fotograf Nikos Radis „kreischen“ beim Beschleunigen: „Rase doch nicht so!“ Fahrerin Anna lacht. Der Tacho zeigt nur Tempo 70 an. Aber alles ist laut, jedes Schlagloch überträgt sich direkt ins Rückenmark, die Fenster sind offen. Zu zweit auf der Rücksitzbank grinsen die beiden dicht an dicht in den Rückspiegel.
Sieben Liter Benzin auf 100 Kilometer
Die Beschleunigung lässt sich nicht wirklich messen. Der 1,2 Liter S-Motor wurde leicht getunt und dürfte so um die 70 Pferdestärken haben. Was aber bei knapp 800 Kilo Eigengewicht gut ausreicht. Prima ist auch der Benzinverbrauch. So um die sieben Liter plus Bleiersatz will er haben – egal, wie man fährt und wo. Verbleiten Treibstoff gab es früher an jeder Tankstelle, heute muss man ihn zutanken. Das ist aber kein großer Akt. Tut man das nicht, werden die Brennräume zu heiß und die Ventile verziehen sich. Kurz gesagt: teure Angelegenheit.
Ohne Tieferlegung wäre er komfortabler
In Sachen Fahrkomfort ist Basti kein Vorzeigeobjekt. Andere Opel Kadett B Modelle fahren da deutlich weicher. Ohne die Tieferlegungs-Blattfedern in Kombination mit gekürzten Stoßdämpfernb wären Jan und Nikos ganz bestimmt nicht so durchgeschüttelt worden. Eine Klimaanlage gibt es natürlich nicht, wir sorgen anders für frische Luft: mit geöffneten Scheiben. Ok, hat jedes Auto. Doch so richtig von gestern sind die vorderen Dreiecksfenster. Sie sind zwar das Gegenteil von aerodynamisch, lassen aber die Luft schön zirkulieren. Und durch die ausstellbaren Fensterscheiben hinten ergibt sich ein angenehmes Klima. Ähnlich wie bei anderen Oldtimern sind die Scheiben recht flach und klein – das gesamte Auto heizt sich nicht so stark auf.
Ein prima Alltags-Oldtimer
Der Kadett ist ein guter Alltags-Oldtimer. Die Straßenlage ist sehr gut und besagtes Kofferraumvolumen sensationell. Ebenso der Verbrauch. Das Automatik-Getriebe muss nicht unbedingt sein – macht ihn aber zum idealen Stadt-Stau-Cruiser.

Das H-Kennzeichen
Aktuell gelten Autos als Youngtimer, wenn sie zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Manche Versicherungen ermöglichen hier vergünstigte Prämien. Deutlich interessanter ist aber die Oldtimer-Zulassung. Diese bekommen Autos, die mindestens 30 Jahre alt und in einem erhaltungswürdigen Zustand sind. Dann fallen nur knapp 200 Euro Steuer und eine sehr vergünstigte Versicherung an. Diese richtet sich nach dem Wert des Fahrzeugs. In der Regel muss hierzu ein Gutachten erstellt werden. Kostenpunkt
für ein Kurzgutachten:
zwischen 80 und 150 Euro.

Die rote 07er-Nummer
Als Besitzerin mehrerer Oldtimer lohnt sich das Beantragen der roten 07er-Nummer. Hier kann der kleine, eigene Fuhrpark auf einer Nummer versichert werden. Allerdings sind damit auch nur Probefahrten, Fahrten zu Wartungsarbeiten, zum Tanken oder zu Oldtimer-Veranstaltungen zugelassen. Hintergrund: 1994 wurde die rote Oldtimernummer eingeführt, als vielen älteren Fahrzeugen aufgrund der schadstoffabhängigen Besteuerung von Kraftfahrzeugen das Aus drohte. Die Abgasreinigung hatte große Schritte gemacht, Besitzer älterer Fahrzeuge mussten hohen Steuern zahlen.

Die rote 06er-Nummer
Nicht zu verwechseln ist das 07er-Kennzeichen mit der 06er-Nummer. Während die 07er-Nummer eine Zulassung bei der Versicherung und beim Amt vor Ort für alle Fahrzeuge vorschreibt, handelt es sich bei der 06er-Nummer um ein Händlerkennzeichen, das an jedes straßentaugliche Auto angebracht werden kann. Es dient dazu, eine Probefahrt beim Händler zu machen oder nach erfolgter Reparatur eine kleine Proberunde um den Block zu drehen. Zulässig ist – je nach Bundesland – auch das Vorstellen auf Auto-Börsen oder Treffen zu Verkaufszwecken.