Wer an nachhaltiges Autofahren denkt, hat meist Elektroautos im Sinn. Doch der Weg zu einer umweltfreundlicheren Individualmobilität führt auch über unerwartete Pfade: etwa über die eigene Fahrweise, den Einsatz umweltfreundlicher Ersatzteile oder über die Autowerkstatt. Hier schlummert enormes Potenzial. Aber wie können Autofahrer dies ausschöpfen, ohne Abstriche bei Qualität und Sicherheit zu machen?
Eigentlich lässt sich dieses Thema ganz schnell abhandeln. Maximal umweltfreundlich wird das Autofahren dann, wenn wir es sein lassen. Punkt. Das ist sachlich zwar richtig, wird der Sache jedoch nicht gerecht. Denn hierzulande spielt das Auto eine viel zu wichtige Rolle. Es ist und bleibt für die meisten die mächtigste Säule der Mobilität – und das trotz steigender Kosten für Anschaffung und Betrieb. Wer sich etwa einen Neuwagen leisten will, muss von Jahr zu Jahr tiefer in die Tasche greifen. Kostete ein Neuwagen im Jahr 2017 im Durchschnitt noch rund 30.000 Euro, so waren 2023 schon knapp 45.000 Euro – das sind 50 Prozent mehr. Trend nach oben auch bei den Unterhaltskosten: Seit 2020 sind die Kosten für Inspektionen und Reparaturen um fast 30 Prozent gestiegen.
Durchschnittsalter 10,3 Jahre
Trotzdem rüttelt Deutschland nicht am Auto. Und neben der herrschenden Unsicherheit hinsichtlich eines kommenden oder nicht kommenden Verbrennerverbots und immer strengeren Umweltauflagen, sind steigende Kosten ein Grund, warum der Fahrzeugbestand auf unseren Straßen immer älter wird. Das Durchschnittsalter eines Pkw in Deutschland betrug im Januar 2024 10,3 Jahre – das ist Rekord.
Mehr als ein Viertel aller hierzulande zugelassenen Fahrzeuge sind zwischen fünf und neun Jahren alt. Der Anteil der Fahrzeuge, die älter als 15 Jahre sind, hat in den vergangenen zehn Jahren um rund 30 Prozent zugenommen. Das sind gute Aussichten für Young- und Oldtimerliebhaber und auch gute Nachrichten für Werkstätten: Ein alternder Fahrzeugbestand geht mit einem höheren Wartungsaufwand einher. Das Motto für viele lautet: Hegen und Pflegen, damit das Auto möglichst lange fahrtüchtig bleibt.
Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Aber wie sieht es mit der Umwelt aus? Wer sich keinen sparsamen Neuwagen oder ein im Betrieb emissionsarmes Elektroauto anschaffen kann oder will, kann nichts für den Umweltschutz tun? Stimmt so nicht. Es gibt sie, die Maßnahmen, die ein Autoleben nachhaltiger machen. Wichtig dabei: Der steigende finanzielle Druck und die Umweltbelastung fordern innovative und nachhaltige Strategien, die den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs berücksichtigen. Autofahrerinnen und Autofahrer, Werkstätten und auch Ersatzteillieferanten müssen gemeinsam am Nachhaltigkeitsstrang ziehen. So lässt sich der Spagat zwischen wirtschaftlicher Vernunft und ökologischer Verantwortung meistern.
Fuß vom Gas
Ein wesentlicher Hebel zur Senkung des ökologischen Fußabdrucks liegt im individuellen Fahrverhalten. Untersuchungen zeigen, dass eine sanfte Fahrweise und das Beachten einiger Tipps bis zu 20 Prozent Kraftstoff einsparen können. Eine aggressive Fahrweise mit häufigem Beschleunigen und abruptem Bremsen, kann hingegen den Kraftstoffverbrauch um etwa 40 Prozent nach oben treiben. Spritsparendes Autofahren kann man lernen. Entsprechende Angebote gibt es beispielsweise von Fahrschulen, Automobilclubs oder Automobilherstellern.
eFuels – wenig Wirkung
Auch das, was in den Tank gefüllt wird, hat Auswirkungen auf die Umwelt. Schon heute sind Otto-Kraftstoffe als Eco und Diesel als Bio mit einem erhöhten Anteil Biokraftstoffen an den Zapfsäulen verfügbar – wobei die Zahlen den prozentualen Anteil an Bio-Beimischung beziffern. Wenn das eigene Fahrzeug die Herstellerfreigabe für diese Spritsorten besitzt, dann sind E10 und B10 ein effektiver Baustein beim Verringern des CO2-Fußabdrucks.
Beim so hoch gehypten Kraftstoff eFuels gilt es genauer hinzuschauen. Denn die Produktion von eFuels ist nicht nur sehr energieaufwendig, eFuels sind auch nur dann wirklich klimafreundlich, wenn sie mit Öko-Wasserstoff produziert werden. Und dazu gibt es weltweit noch viel zu wenig Produktionsstätten. Und auch der Einsatz von eFuels macht in Bereichen, in denen es keine oder wenig Alternativen zum Verbrenner gibt, viel mehr Sinn als im individuellen Autoverkehr – etwa bei Lkw im Transportsektor. Hinzu kommt, dass eFuels einen Wirkungsgrad von nur 15 Prozent haben. Das heißt, dass 100 Prozent. Energieeinsatz in der Produktion nur 15 Prozent Antriebsenergie erzeugen. Zum Vergleich: E-Autos besitzen einen Wirkungsgrad von rund 75 Prozent. Es gibt zurzeit keinen effizienteren Antrieb im Serien-Automobilbau als den Elektroantrieb. Doch nicht alle können und wollen aus den genannten Gründen auf die Elektromobilität umsteigen.
Grüner Fahren – mehr als Sprit sparen geht weiter. Hier geht’s zu Teil 2 unserer Serie Nachhaltigkeit beim Autofahren.



