Seitenansicht des gelben Fiat Grande Panda mit markanten 3D-Prägungen in den Türen.

Bambusbär 4.0:
Fiat Grande Panda

Fiat Panda – das klang immer schon sympathisch. Der Grande Panda ist der mittlerweile vierte Träger dieses Namens. Grande ist er auf jeden Fall: Waren seine Vorfahren noch Winzlinge, ist er zu einem stattlichen Kleinwagen herangewachsen.

Detailaufnahme des Pixel-LED-Vorderlichts am Fiat Grande Panda
Die Pixel-LED-Signatur verleiht dem Grande Panda einen unverwechselbaren Blick bei Tag und Nacht.

Das Wort einfach kann ziemlich kompliziert sein. Weil man es so, so oder so verstehen kann. Einfach im Sinne von wenig dahinter ist der Fiat Grande Panda
defi nitiv nicht. Er bietet richtig viel Auto und Fahrspaß. Einfach im Sinne von umgänglich ist er auf jeden Fall: Einsteigen, sich kurz vertraut machen, verstehen und sich verstanden fühlen – das klappt auf Anhieb. Insofern hatte der freundliche Mitarbeiter des Autohauses Äckerle in Korb im Remstal, das
der Redaktion den Wagen für den Fahrbericht zur Verfügung gestellt hat,  vollkommen recht mit seinem Zögern. Gefragt, ob er einem Erstbenutzer das Auto kurz erklären könne, dachte er einen Moment nach und sagte dann: „Da gibt es
eigentlich nichts, das Auto erklärt sich selbst.“ Stimmt. Einfachheit im Sinne von Verzicht auf alles, was überfl üssig ist, kann man dem neuen, markigen Gesicht in der Fiat-Familie ebenfalls attestieren: Es ist alles drin und dran, was man
braucht. Und was der große Bambusbär nicht hat, braucht man auch nicht unbedingt.

Detail der hinteren LED-Leuchte des Fiat Grande Panda mit grafischem Muster.
Die quadratischen Rückleuchten zitieren die Designsprache des ersten Pandas aus den 1980er-Jahren.

Konsequent  umgesetztes Konzept

Ein gutes Beispiel dafür ist das symmetrisch zweigeteilte Display, dessen linke Hälfte hinter dem Lenkrad alle wichtigen Fahrerinformationen bündelt und dessen rechte Hälfte, gut erreichbar vom Fahrer- wie vom Beifahrersitz, als Touchscreen das Unterhaltungsprogramm, das Smartphone und die Navigation befehligt. Alles ist sehr übersichtlich und intuitiv per Touchscreen bedienbar, keine Lichtspielhaus-Effekthascherei suggeriert, man befände sich auf der Kommandobrücke eines Raumgleiters oder eines Flugzeugträgers. „Keep it simple“, hat man möglicherweise den Panda-Ingenieuren ins Pfl ichtenheft geschrieben. Womit wir beim großen Namen wären, den der jüngste Fiat
trägt: Panda, mit dem Namenszusatz Grande. Technisch hat der Neue nichts mit dem Ur-Panda von 1980 zu tun, der seinerzeit als „tolle Kiste“ vermarktet wurde.
Ideell allerdings eine ganze Menge. Beginnend mit der kubistischen Form, die das Minimal-Design des Ur-Panda anschaulich in die Gegenwart übersetzt. Auch ein
paar Details im Interieur lesen Kenner als Stilzitate: So erinnern die gesteppten Polster der Ausstattungslinie La Prima an die Bezüge über den campingstuhlartigen Stahlrohr- Sitzgelegenheiten des Oiginals, das sein Designer
Giorgetto Giugaro damals als „Haushaltsgerät auf Rädern“ charakterisierte.

 

Gelb-graue Fahrzeugsitze im Fiat Grande Panda mit eingearbeitetem Panda-Muster
Nachhaltigkeit im Fokus: Die bequemen Sitze bestehen teilweise aus recycelten Materialien.

Die tolle Kiste ist wieder da

Autowerbung funktioniert heute komplett anders als zu der Zeit, als Fiat seine Kampagne mit der „tollen Kiste“ laufen ließ. Und vieles, was damals originell erschien, wirkt heute betulich. Eines der Werbemotive wurde vor einer Imbissbude fotografiert, Text: „Das italienische Auto, das mehr Konservierungsmittel enthält als eine deutsche Currywurst“. Gemeint waren der aufwändige Korrosionsschutz und die Mehrschichtlackierung, die der transalpinen Autoseuche Rost ihren Schrecken nehmen sollten. Deshalb, so die Werbung, könne der Panda über viele Jahre hinweg genossen werden, während die deutsche Wurst zum sofortigen Verzehr zwinge. Was damals mindestens so gut zog wie die Werbung, war der Preis: In Deutschland gab es den Fiat zur Markteinführung für weniger als 10.000 DM, in Italien war er im Jahr 2000 und nach der Währungsumstellung immer noch für etwa 5.000 Euro zu haben. Insgesamt verkaufte Fiat seinen spartanischen Kleinwagen zwischen 1980 und dem Produktionsende 2003 mehr als vier Millionen Mal.

Modernes Cockpit des Fiat Grande Panda mit digitalem Infotainment-System und gelben Akzenten.
Im Cockpit trifft italienisches Flair auf moderne Technik mit einer ovalen Armaturentafel im Lingotto-Stil.

Aus dem Baukasten in die Nische

Dimensionen, die Fiat mit dem Grande Panda, der seit Mitte 2025 bei den deutschen Händlern steht, nicht mehr anpeilen wird. Der Kleinwagenmarkt ist heute viel kleinteiliger und Fiat Teil des Stellantis-Konzerns mit vielen Automarken, die sich die Käufer und Konzepte teilen. Der Grande Panda steht auf der Smart-Car-Plattform des Konzerns, aus der auch Modelle wie Citroën C3 oder Opel Frontera zusammengesetzt werden. Das Baukastenprinzip steht einer Individualität wie seinerzeit entgegen, als die Rückbank siebenfach verstellbar war. Eine der möglichen Konfigurationen war eine Liegemulde für Kleinkinder – eine solche Idee würde heutige Sicherheitsexperten im Schock erstarren lassen. Aus dem Stellantis-Baukasten offeriert der Grande Panda die handelsüblichen Laderaumvarianten: asymmetrisch geteilte und nach vorn klappbare Rückbank sowie ein Ladevolumen von 412 bis 1.366 Litern. Damit macht der große Kleine vom Wocheneinkauf bis zum Besuch eines Möbelhauses eine gute Figur. Mit einer Länge von exakt vier Metern hält er das Maß, das sein indirekter Vorgänger Fiat Punto hatte, ein ebenfalls erfolgreiches Pferdchen aus Fiats Kleinwagenstall. Doch weil der Grande Panda nach aktueller SUV-Art geschnitzt ist und im Interesse eines bequemen Ein- und Ausstiegs 1,60 Meter hoch über den Asphalt wächst, wirkt er viel stattlicher als ein klassischer Kleinwagen. Eine letzte Zahl und ein letzter Vergleich zur „tollen Kiste“ von 1980: Die leichteste Variante Panda 30, stets mühevoll in Fahrt gebracht von einem 0,65 Liter kleinen Zweizylindermotörchen, hatte ein Leergewicht von 700 Kilogramm. Der Grande Panda Hybrid 1.2 hat einen etwa doppelt so voluminösen Motor, bringt etwa doppelt so viel auf die Waage und stellt doppelt so viel dar – mindestens.

 

Detailansicht des digitalen Infotainment-Displays im Innenraum des Fiat Grande Panda.
Das digitale Display liefert alle wichtigen Informationen und integriert Smartphone-Inhalte nahtlos.

Hybridunterstützung für Rechtsfüßer

Wenn auch zu einem Vielfachen des Einstiegspreises. Die von uns getestete Version 1.2 Hybrid mit einem aufgeladenen Dreizylinder, 81 kW Leistung und in Vollausstattung La Prima wechselt laut Liste für knapp 25.000 Euro den Besitzer. Das hybride Arbeitsmodell im Maschinenraum fügt sich sehr gut ins Bild: Nix da mit Plug-in, sondern so gelöst, dass der Fahrer des praktischen Allrounders sich nicht damit beschäftigen muss. Der Elektromotor des Mild-Hybrid-Systems mobilisiert zusätzliche 21 kW, wird aus einer 48-Volt-Batterie versorgt und schiebt beim Anfahren und Beschleunigen mit an. Er ist in das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert, das seidenweich schaltet und die Gangwechsel präziser dirigiert als jeder menschliche Schaltarm. Geladen wird die Batterie ausschließlich durch Energierückführung beim Verzögern. Das wäre vielleicht das Einzige gewesen, auf das der Mitarbeiter des Autohauses hätte hinweisen können: Geht die Fahrerin oder der Fahrer vom Gaspedal, wird wie in einem E-Auto sofort eine Bremswirkung spürbar. Doch selbst das ist nach den ersten gefahrenen Kilometern eigentlich selbsterklärend. In vielen Fahrsituationen benötigt man damit außer den Händen am Steuer nur den rechten Fuß zum Dirigieren des Grande Panda: Druck nach vorn heißt Vorwärtsdrang, Druck vom Pedal nehmen heißt, die Fuhre wird kontrolliert langsamer.

 

Gelber Fiat Grande Panda von vorne mit markantem Panda-Schriftzug und Pixel-LED-Scheinwerfern.
Der neue Fiat Grande Panda kombiniert das Erbe des Ur-Panda mit modernem, elektrischem Design.
Alle Bilder: Jean-Claude Winkler
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