Die Reise in die Welt der Fahrzeugsicherheit geht weiter – von den Anfängen des Automobils bis hin zu hochvernetzten, intelligenten Fahrzeugen der Gegenwart. In Teil 2 unseres Serie zum Thema Fahrzeugsicherheit schauen wir auf Erfindungen und Entwicklungen, die Autofahren sicherer machen – dabei werfen wir auch einen Blick in die Zukunft.
Béla Barényi, von dem in Teil 1 unseres Schwerpunktes zum Thema Fahrzeugsicherheit die Rede war, hat nicht nur die Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzone erfunden, zahlreiche andere Entwicklungen stammen von ihm. Etwa der versenkbare Scheibenwischer, der bei Nichtgebrauch unter der Motorhaube verschwindet und so das Verletzungsrisiko für Fußgänger verringert. Von 1979 bis 1991 kam diese Entwicklung in der Mercedes S-Klasse zum Einsatz.
Auch die Sicherheitslenksäule entstammt seiner Feder. Im Falle eines Frontalaufpralls knickt diese ein und wird so nicht lebensbedrohlichen Spieß für die Fahrerin oder den Fahrer. Noch lange vor Sicherheitsgurt und Airbag sollte sein Prallkopflenkrad den Aufprall des Fahrers mit dem Kopf abmildern.
Sicherheit als Verkaufsargument
Im selben Jahr, in dem Mercedes sein erstes Testfahrzeug gezielt gegen ein Hindernis fahren ließ, um die Aufprallfolgen zu erforschen, hat mehr als 1.000 Kilometer nördlich der Schwede Nils Ivar Bohlin einen weiteren Meilenstein der passiven Sicherheit patentieren lassen: den Dreipunkt-Sicherheitsgurt . Der Volvo-Ingenieur hat mit seiner Erfindung einen Standard im Automobilbau gesetzt. Der Gurt wird dabei von der B-Säule des Fahrzeugs über das Becken des Fahrers zu einer Schnalle am Mitteltunnel geführt und von dort über Brust und Schulter zurück zur B-Säule.
Volvo versprach sich mit diesem Sicherheits-Accessoire übrigens bessere Verkaufschancen beim geplanten Einstieg in den US-amerikanischen Markt. Das Deutsche Patentamt wählte 1985 den Dreipunkt-Sicherheitsgurt zu einer der acht Erfindungen, die der Menschheit in den vergangenen 100 Jahren den größten Nutzen gebracht haben.
Voll gegen die Wand
„Dieses Konzept stellt auch heute noch die absolute Basis der Karosserie- und Sicherheitsentwicklung dar“, sagt Julia Haberzettl, Ingenieurin für passive Sicherheit bei der, Mercedes-Benz AG. Das Konzept stammt aus dem Jahr 1951. Erstmals umgesetzt wurde es in einem Mercedes W111. Der erste offizielle Crashtest in Deutschland fand am 10. September 1959 bei Mercedes-Benz statt. Dabei ließen die Ingenieure einen W111 auf ein 17 Tonnen schweres Hindernis prallen.
Aktive Unfallvermeidung
Heute stellt sich das Sicherheitskonzept eines Fahrzeugs weitaus komplexer dar. Es ist das Zusammenspiel aus passiven und aktiven Sicherheitseinrichtungen und umfasst Materialien wie Verbundstoffe und hochfesten Stahl, die Aufprallenergie abmildern und bis zu den Insassen möglichst absorbieren sollen. Hinzu kommt ein Heer an Sensoren, dass über Steuergeräte miteinander kommuniziert und so Assistenzsysteme orchestriert, die Fahrerin und Fahrer unterstützen sollen.
Und noch ist das Ende Fahnenstange für mehr Sicherheit im Fahrzeug nicht erreicht: 360-Grad-Kameras für die volle Rundumsicht, Gesichts- und Bewegungserkennung, die Müdigkeit und emotionalen Zustand des Fahrers analysieren und weitere Notfall-Systeme, die Notrufe absetzen und den Gesundheitszustand der Insassen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte überwachen können.
KI und Digitalisierung – und deren Schattenseiten
Hinzu kommen adaptiven Sicherheitssysteme, die durch künstliche Intelligenz und intelligenter Sensorik eine neues Zeitalter der Fahrzeugsicherheit einläuten können. Mit Hilfe solcher Systeme lassen sich dann verschiedene Unfallszenarien in Bruchteilen einer Sekunde vorhersagen und entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten.
Die zunehmende Vernetzung von Fahrzeugen und das digitale Aufrüsten bringt aber auch Risiken mit sich. Fahrzeugsteuerungen und persönliche Daten sind attraktive Ziele für Hacker , die Fahrzeuge und ganze Flotten lahmlegen können oder – man mag es sich nicht vorstellen – aktiv in den autonomen oder teilautonomen Fahrbetrieb eingreifen können.
Beim ersten Auto, dem Patent-Motorwagen von Carl-Benz, war Sicherheit noch überhaupt kein Thema. Heute, rund 150 Jahre später, spielt Sicherheit eine, wenn nicht die zentrale Rolle – für den Fahrer, die Insassen und alle anderen Verkehrsteilnehmenden. Von der Knautschzone und der Sicherheitsfahrgastzelle zum Sicherheitsgurt, zum ABS und Airbag bis hin zu hochentwickelten Fahrerassistenzsystemen und der Vision des vollautomatisierten Fahrens: Jeder Meilenstein hat dazu beigetragen, Leben zu retten und Unfälle zu verhindern.
Die Zukunft verspricht weitere Fortschritte durch Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung – mit dem Ziel das Autofahren noch sicherer und komfortabler zu machen.



