Vom Segway über das Hoverboard zum E-Scooter: Die Mikromobilität hat sich in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt.

E-Scooter:
die neue Mikromobilität

Vom Segway über das Hoverboard zum E-Scooter: Die Mikromobilität hat sich in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt. Viele Unternehmen sehen dies als Marktchance und die Sharing-Angebote schießen durch die Decke. Was steckt hinter den E-Scootern und dem Verleihsystem?

Wahrscheinlich wissen nur die wenigsten, dass der motorisierte Tretroller schon mehr als 100 Jahre auf dem Buckel hat. Eine amerikanische Firma soll bereits 1910 einen motorisierten Autoped produziert haben, also einen Tretroller mit Verbrennungsmotor. Der hat sich damals nicht durchgesetzt. Heute sieht es anders aus: Elektrisch angetriebene Tretroller erobern die Städte.

So schnell ging’s noch nie

Seit September 2017 gibt es die öffentlichen E-Scooter-Verleihsysteme. Das Pionierunternehmen Bird ausKalifornien brachte als erster Anbieter E-Scooter auf den Markt. Rund vier Monate später zogen unzählige Unternehmen nach: Lime, Skip, Spin, Scoot, Jump oder Bolt in den USA, Yellow und Grin in Lateinamerika, in Europa Voi, Dott, Flash,Wind, Hive und Tier. In Deutschland sind E-Scooter seit Mitte Juni 2019 als alternatives Fortbewegungsmittel zulässig. Bereits im August waren dann deutschlandweit etwa 30.000 E-Scooter im Umlauf. Im Durchschnitt wird ein Roller in Deutschland etwa elf Minuten am Tag genutzt und mit ihm werden rund 1,9 Kilometer zurückgelegt.

In Stuttgart gibt es drei E-Scooter-Anbieter: Voi, Lime und Tier.

Kaum Unterschiede bei den Anbietern

Hierzulande gibt es die E-Roller von Circ, Voi, Bird, Tier oder Lime, die alle nach einem ähnlichen Prinzip arbeiten: Wer einen Roller nutzen will, braucht als erstes die App des Anbieters. Also: App auf das Smartphone laden und die Bankverbindung oder Kreditkartennummer eingeben. Anschließend bekommt man angezeigt, wo in der Nähe ein freier Roller steht. Für eine Spritztour von einer Stunde werden neun bis 13 Euro fällig. Zwölf bis maximal 25 Kilometer kann ein solches Gefährt zurücklegen – dann ist die Batterie leer. Für die Ausleihe scannt man den QR-Code auf dem Roller. Zum Abschluss der Fahrt parkt der Nutzer den E-Tretroller in einer der ausgewiesenen Parkzonen und beendet die Fahrt via App.

Zahlen, Daten, Fakten: Stuttgarts E-Scooter-Anbieter im Vergleich.

Das Für und Wider

Für die Fans und den Verkehr auf der letzten Meile sind E-Scooter eine perfekte Ergänzung. Die Befürworter erwarten sich durch den E-Tretroller einen generellen Schub für alternative Verkehrsmittel. Bessere Luft und weniger Autos, die wendigen E-Scooter werden als weiteres Verkehrsmittel im ÖPNV-System der jeweiligen Stadt vernetzt. Sicherlich nicht zu unterschätzen ist der Spaßfaktor, sowohl für die lokalen Nutzer als auch für die vielen Touristen.

Etwa 70 Prozent der Fahrer geben an, die E-Scooter aus Spaß auszuleihen. Wer einmal mit einem E-Scooter durch die Stadt gedüst ist, weiß, welche Freude dieses Fortbewegungsmittel machen kann. Entlang der Isar, am Rheinufer in Düsseldorf oder Köln oder auch rund um die Außenalster in Hamburg. Scooter fahren macht einfach Spaß.

Ganz anders sehen es die Gegner. Sie befürchten schwere Verkehrsunfälle, ein Chaos mitabgestellten E-Scootern auf Gehwegen, Plätzen und am Straßenrand sowie ein noch dichteres Gedränge auf den ohnehin bereits knapp bemessenen Fahrradwegen. Denn dort dürfen die E-Scooter per Gesetz fahren.

Bewertung: E-Scooter-Anbieter Tier

Ökobilanz noch unklar

Bisher stand der Vorwurf im Raum, E-Scooter seien alles andere als eine nachhaltige Alternative zum Auto. Dabei versprechen die Verleiher der E-Scooter viel: tonnenweise CO2 einsparen, die Innenstädte von Autos befreien und dabei umweltfreundlich ans Ziel kommen. In San Francisco, Paris und Madrid, wo die E-Scooter schon länger in Gebrauch sind, soll ihre durchschnittliche Lebensdauer nur 28 Tage betragen haben. Die Roller wurden dann verschrottet, samt Batterien. Zusätzlich werden die Scooter täglich von Lieferwagen eingesammelt und am Morgen wieder neu verteilt.

Beim Aufladen und Verteilen der Roller setzt Lime beispielsweise neben festangestellten Mitarbeitern auch sogenannte Juicer ein. Das sind Selbstständige, die E-Scooter abends mit ihrem eigenen (in den meisten Fällen benzinbetriebenen) Fahrzeug abholen, über Nacht bei sich zu Hause aufladen und am Morgen wieder an zentralen Plätzen abstellen. Andere Anbieter erledigen das Aufladen selbstständig oder in Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern. Die Scooter werden dann zentral in einer Lagerhalle aufgeladen und gewartet.

E-Scooter-Anbieter voi

Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle

Mittlerweile scheint der E-Scooter-Verleih aber einen nachhaltigeren Weg zu beschreiten. Durch den wachsenden Druck der Gesellschaft, sehen sich die Anbieter gezwungen, an der Lebensdauer der einzelnen Roller zu schrauben. Die neuen Generationen von Rollern sollen ein bis 1,5 Jahre halten. Voi will bei seinem neuen Modell sogar mit einer austauschbaren Batterie arbeiten. Zumindest der nächtliche Abtransport der E-Scooter per Lieferwagen ist dann nicht mehr nötig.

E-Scooter Regeln

Funktioniert’s langfristig?

Die Scooter von Voi werden beispielsweise vier bis sieben Mal täglich ausgeliehen. Im Durchschnitt bedeutet das etwa einen Umsatz von 40 Euro am Tag pro Roller. Bei Anschaffungskosten von 800 Euro müsste er dann rund drei Wochen laufen, nur um sich selbst zu refinanzieren, wobei noch keine weiteren Kosten abgedeckt sind. Bei einer Lebensdauer von momentan 28 Tagen bleibt also am Ende knapp eine Woche Umsatzfenster übrig. Ob sich das derzeitige Geschäftsmodell durchsetzen wird und ob sich die verschiedenen Anbieter am Markt behaupten können, bleibt abzuwarten. Die ersten ziehen sich jedoch bereits aus einigen Städten zurück oder fusionieren mit anderen Unternehmen. Was sich in den kommenden Jahren definitiv weiterentwickeln wird, ist die Mikromobilität an sich.
Achtung, Kostenfalle beim E-Scooter-Anbieter Lime: Bei Reservierung kommt ein Euro obendrauf!
Achtung, Kostenfalle: Bei Reservierung kommt ein Euro obendrauf!

Testsieger

Moment, fehlt da nicht noch etwas? Genau – der Testsieger des Anbietervergleichs. Und der Gewinner ist: Tier. Die E-Scooter überzeugen mit Sicherheit und Komfort. Herzlichen Glückwunsch!
Redaktuerin Jessica Meyer

Jessica Meyer

ist jetzt und in Zukunft gern mikromobil. Wie genau, wird sich noch zeigen.

Bilder: Nikolaos Radis
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1 Kommentar

  1. Interessant, dass schon 30.000 E-Scooter im Umlauf waren. Ich überlege, mir auch einen zu kaufen. Ich bin nicht mehr so gut zu Fuß, Rad fahren kann ich wegen meinem Knie nicht. Ein Rollator kommt für mich in den nächsten 20 Jahren noch nicht infrage!

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