E-Fuels Interview

E-Fuels:
„Ein sinnvolles Gesamtsystem“

Prof. Dr. Robert Schlögl ist Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion in Mülheim a.d. Ruhr, Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin und Inhaber mehrerer Honorarprofessuren. Wir haben ihn zum Thema E-Fuels befragt:

Herr Schlögl, womit betanken wir künftig unsere Autos?

Die beste aller Antriebs-Lösungen wäre, wir tanken E-Fuels ins Auto: Damit betreiben wir einen kleinen Motor, der eine Batterie lädt, mit der man dann elektrisch fährt. So benötigen wir nur kleine Batterien und tanken eine erneuerbare Flüssigkeit. Das ist effizienter als die heutigen Verbrennungsmotoren. Und bezahlbar wären die Autos auch, denn das Teure an den E-Autos ist ja die große Batterie. Die Kombination aus E-Fuels und elektrischem Antrieb ist die richtige Lösung. E-Fuels sind nicht irgendwas Abstruses, sondern eine konkrete und vernünftige Alternative für die Mobilität der Zukunft.

E-Fuels Robert Schlögl
Prof. Schlögl ist sich sicher: In zehn Jahren bekommen wir E-Fuels an der Tankstelle. (Bild: MPICEC)

Wie weit ist die Entwicklung von E-Fuels fortgeschritten?

Der aktuelle Stand ist: Die Wissenschaft hat ihre Arbeit getan. Nur gibt es momentan in Deutschland keinen Druck, E-Fuels auch zu produzieren. Klar gibt es noch technologische Herausforderungen bei der Umsetzung. Aber die dürfen uns nicht daran hindern, E-Fuels endlich an die Tankstellen zu bekommen. Woanders funktioniert es bereits, zum Beispiel in China. Es gibt keinen Grund, weshalb das bei uns nicht auch funktionieren sollte.

"Es hängt momentan an der Umsetzung, an sonst nix!"

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Und warum tanken wir nicht schon längst E-Fuels?

Es hängt momentan an der Umsetzung, an sonst nix! Die Beteiligten blenden aus, dass es außer Batterieautos auch noch andere Lösungen gibt. Das ist ausschließlich eine Frage der politischen Willensbildung. Man hat einfach beschlossen: Der Verbrennungsmotor muss weg! Ich bezweifle stark, dass es ein guter Weg ist, nur auf Elektroautos zu setzen. Was wir brauchen, ist eine ganzheitliche Lösung, die alle Aspekte unter einem Dach vereint. Politik, Autoindustrie und Stromindustrie müssen die Energiewende vor dem Hintergrund eines sinnvollen Gesamtsystems gemeinsam angehen.

Was wäre der beste Weg?

Energie ist in der Natur theoretisch unendlich und kostenlos vorhanden. In Deutschland jedoch nicht in der erforderlichen Menge. Es gibt sie beispielsweise in Form von Sonnenenergie im Zentrum Spaniens oder Windkraft auf Feuerland. Es macht viel mehr Sinn, an solchen Orten Strom zu gewinnen. Nur kann man den Strom nicht über Leitungen bis zu uns bringen. Viel einfacher geht das mit flüssiger oder gasförmiger Energie: also mit E-Fuels. Und wenn man schon E-Fuels importiert, können wir sie ja auch gleich in die Autos einfüllen, anstatt sie erst wieder in Strom umzuwandeln und Batterien damit zu laden.

E-Fuels Herstellung
So sehen die Anlagen aus, in denen E-Fuels hergestellt werden. (Bild: sunfire GmbH)

Wieso fokussieren sich Politik und Wirtschaft so auf das E-Auto?

Weil die deutschen Automobilhersteller mit SUV am meisten Geld verdienen: je größer und teurer ein Auto, desto höher die Gewinnspanne. Allerdings drohen bald Strafen von der EU, wenn die Fahrzeuge zu viel CO2 ausstoßen. Die Richtlinien beinhalten jedoch auch, dass die Hersteller besonders CO2-arme Autos, wie Elektroautos, mehrfach in ihre CO2-Bilanz einberechnen dürfen. Wenige Elektroautos wiegen also viele große gewinnbringende Dreckschleudern auf. Natürlich produzieren sie dann welche. Damit fahren sie momentan sehr gut, deshalb wollen sie den Status quo aufrechterhalten. Das ist reine Politik und wissenschaftlich nicht haltbar. Das war gute Lobbyarbeit in Brüssel.

Und wegen dieses Unfugs lassen wir uns in Europa wirtschaftlich abhängen: Die Länder im mittleren Osten, die uns heute mit Öl beliefern, arbeiten schon längst daran, ‘künstliche Ölquellen‘ zu bauen. Die forschen nicht mehr, die bauen schon! Wir werden das Problem mit den E-Fuels voraussichtlich so lösen, dass wir sie in zehn Jahren vom mittleren Osten und China kaufen, anstatt sie selbst herzustellen. Ich finde das, ehrlich gesagt, ziemlich unklug.

In zehn Jahren bekommen wir also E-Fuels an der Tankstelle?

Da bin ich sicher! Das wird sich ganz unauffällig einschleichen, die E-Fuels werden peu à peu dem fossilen Benzin beigemischt, das ist kein Problem. Die Autofahrer merken das gar nicht unbedingt. So wird auch der Hochlauf mit den reinen E-Fuels funktionieren, das geht ja nicht von heute auf morgen.

Was werden E-Fuels im Vergleich zu Benzin, Diesel & Co. kosten?

Es müssen die Vergünstigungen für andere Energieformen fallen, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die Dieselförderung. Die waren bei ihrer Einführung sehr gut und sinnvoll, sind es heute aber nicht mehr. Fällt diese Förderung weg und kommt die E-Fuel-Produktion richtig in Schwung, ist der Preisunterschied zu fossilem Kraftstoff nicht mehr groß. Wenn wir auf dem gleichen Niveau E-Fuels herstellen, wie wir heute fossilen Kraftstoff produzieren, könnten wir beim Preis ungefähr auf dem gleichen Level herauskommen.

Danke für das Gespräch, Herr Schlögl.

Titelbild: sunfire GmbH
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