Auto-Flops

Auto-Flops:
Die Ladenhüter unter den Automobilen

VW Käfer, Porsche 911, Citroën 2CV – wer in die Welt der Automobile eintaucht, sieht zuerst die Erfolgsmodelle: technisch vollendete Fahrzeuge mit gefälligen Kurven und schönen Kanten. Doch wer versteckt sich da im Schatten dieser Verkaufswunder? Die ewigen Ladenhüter.

Er läuft und läuft und läuft – der Slogan des VW Käfer wurde zum Synonym für Erfolg. Nicht nur, weil er technisch so gut war, dass er eigentlich nie stehen blieb, sondern weil auch die Produktionsbänder liefen und liefen und liefen. 21,5 Millionen Käfer brachte VW auf den Markt. Aber nicht jedes Modell kann ein Bestseller sein. Und so hat fast jeder Automobilhersteller ein Modell, bei dem er sich insgeheim wünscht, dass die Baupläne statt in der Produktionshalle lieber im Aktenvernichter gelandet wären. Sei es, weil das Auto technisch nicht ausgereift war, weil der Markt es nicht nachgefragt hat oder weil es einfach unglaublich hässlich war: Einige Modelle wären der Menschheit besser erspart geblieben. Andererseits: Wäre die Welt nicht sehr langweilig ohne einen gelegentlichen Misserfolg? Zumindest die Besitzer vieler Flop-Autos können sich auf lange Sicht ohnehin freuen: Aus vielen der ehemaligen Ladenhüter sind mittlerweile wertvolle Liebhaber-Oldies geworden.

Edsel – Der Vater aller Flops

Nein, man kann nicht über automobile Flops sprechen, ohne einen Fall ganz besonders hervorzuheben: den Edsel. 1957 führte die Ford Motor Company die Marke Edsel ein, um die Lücke zwischen Einstiegsmodellen und gehobenen Fahrzeugen zu füllen. Der Plan: ein Mittelklassemodell zu bauen, das sich klar von der Masse der anderen Fahrzeuge auf dem Markt unterschied. Schon bei der Namensfindung der neuen Marke tat man sich schwer: Nachdem die Verantwortlichen tausende von Ideen gesammelt und in Marktstudien getestet hatten, entschied man sich letztlich willkürlich für den Namen Edsel – ein Name, der in Umfragen sehr schlecht abgeschnitten hatte. Man wollte jedoch Edsel Ford damit ein Denkmal setzen, dem 14 Jahre zuvor verstorbenen Sohn Henry Fords.

Flop Edsel
Alles, was schief gehen konnte, ging auch schief: Der Edsel ging als der größte automobile Flop in die Geschichtsbücher ein. (Bild: www.edsel.kistinger.com)

Bei der Produktion und dem Marketing ließ Ford sich nicht lumpen: 400 Millionen Dollar steckte man in die neue Marke – umgerechnet auf die heutigen Verhältnisse wären das rund vier Milliarden Euro. Der Edsel wurde als modernstes Auto der Welt beworben: Selbstjustierende Bremsen und eine automatische Motorschmierung waren nur zwei Eigenschaften, die in den Jahren darauf zum Standard im Automobilbau werden sollten. Das große Trara, das um das Auto gemacht wurde, schien sich auszuzahlen: In den ersten Wochen nach dem Marktstart sahen sich mehr als drei Millionen Menschen den Edsel in den Ford-Verkaufshäusern an. Dabei kam bei vielen die Enttäuschung: Schnell galt der Edsel – vor allem für die US-amerikanische Presse – als das hässlichste Modell, das je gebaut wurde. Vor allem am Kühlergrill schieden sich die Geister: Er sehe aus wie ein Pferdehalfter oder ein Toilettensitz, wurde gespottet. Qualitätsprobleme und eine schlechte Versorgung mit Ersatzteilen kamen hinzu. Vielerorts scherzte man, die Buchstaben des Namens stünden für „every day something else leaks“ – jeden Tag ist er woanders undicht. Auch der Preis war für ein Mittelklasse-Modell relativ hoch. Die Folge: Bis heute gilt Edsel als der größte Misserfolg in der Geschichte des Automobils. Geplant war, pro Jahr rund 300.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Nach drei Jahren wurde das Projekt Edsel aufgegeben. Statt knapp einer Million wurden gerade mal 110.847 Fahrzeuge gebaut.

Ein Volksporsche ohne Käufer

Etwas erfolgreicher verkaufte sich der VW-Porsche – nämlich knapp 116.000 Mal. Ende der 1960er-Jahre wollten die VW-Verantwortlichen einen sportlichen Wagen auf den Markt bringen, der dennoch erschwinglich ist. Problem nur: Bei VW kannte sich keiner so richtig aus mit dem Bau sportlicher Modelle. Ein Partner war jedoch schnell gefunden, denn VW-Chef Heinrich Nordhoffs Tochter Elisabeth war mit Ferry Porsches Neffen Ernst Piëch verheiratet. Ein Handschlag besiegelte die Zusammenarbeit: Man einigte sich darauf, dass der Sportwagenbauer sein Know-how in das Projekt steckte, während VW für eine günstige Produktion sorgen würde. Das so entstandene Modell sollte getrennt als VW-Variante und als Porsche-Fahrzeug vertrieben werden.

Im März 1968 wurde der Prototyp vorgestellt – und einen Monat später starb VW-Chef Nordhoff. Sein Nachfolger Kurt Lotz wollte vom Handschlag-Deal mit Porsche nichts mehr wissen. Es kam zu Streitereien, wie der Wagen nun vertrieben werden sollte – und man einigte sich auf die Gründung eines neuen Unternehmens, der VW-Porsche Vertriebs G.m.b.H. Der Wagen kam in Europa als VW-Porsche 914 auf den Markt – oder wie in Deutschland gespottet wurde: als Volks-Porsche. Zu diesem schwammigen Image – ist es ein Volkswagen? Ist es ein Porsche? – gesellten sich Verarbeitungsmängel und Rostanfälligkeit. Auch die schwache Motorisierung der ersten Modelle mit gerade mal 80 PS schreckte viele sportwagenbegeisterte Autofahrer ab. Dennoch blieb der VW-Porsche sieben Jahre lang auf dem Markt – und hat bis heute eine kleine Fangemeinde aufgebaut.

VW-Porsche 914
Der VW-Porsche 914 kam nie richtig in Fahrt. (Bild: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

(Nicht) schön, aber gut

Die Macher des TV-Magazins Top Gear sind für ihren schrägen Humor bekannt, aber auch dafür, dass sie immer Sachverstand walten lassen. So auch 1999, als sie den Fiat Multipla zum Ugliest Car of the Year wählten – zum hässlichsten Auto des Jahres. Dabei hatte Fiat vieles richtig gemacht. Der Name Multipla stand für ein Erfolgsmodell aus den 50er Jahren. Hinzu kam ein durchdachtes Innenraumkonzept mit viel Platz – auf Wunsch mit je drei Sitzen in zwei Reihen – und so viel Glas, dass der Wagen so übersichtlich war, wie kaum ein Fahrzeug zuvor. Aber was war das? Komische, noch nie gesehene Proportionen. Eine flache Frontpartie mit zwei Kulleraugenscheinwerfern an der Seite. Eine drollig abknickende Leiste mit Zusatzscheinwerfern direkt unter der Windschutzscheibe. Schnell mutmaßten manche Spaßvögel: Hätte Picasso ein Auto entworfen, sähe es so aus. Andere ulkten: Schade, dass der Multipla vor der Prototypvorstellung unter einen Lkw-Anhänger gerasselt ist.

Flop Fiat Multipla
Ist das ein Auto oder moderne Kunst? Der Fiat Multipla war auf der Straße kaum zu sehen – steht dafür aber im Museum of Modern Art in New York. (Bild: FCA Germany AG)

Der Spott war groß. Die Verkaufszahlen gering. Obwohl das Design 2004 entschärft wurde, ließen sich kaum Käufer für den Familienwagen finden. Von 1998 bis 2010 verkaufte Fiat in Europa insgesamt nur rund 330.000 Fahrzeuge – trotz der ausgereiften Technik und aller guten Eigenschaften des Wagens. Und damit zurück zu Top Gear: Dort bekam der Multipla 1999 nämlich nicht nur den Hässlichkeitsorden verliehen, sondern auch die Auszeichnung Auto des Jahres. Und Familienauto des Jahres. Vier Jahre in Folge. Das Fazit also: Der Multipla war eines der besten Autos, die je gebaut wurden. Und eines der hässlichsten. Oder, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb: „Darin möchte man nicht tot überm Lenkrad hängen.“

Titelbild: www.edsel.kistinger.com
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