Anna erklärt:Wartung – warum denn?

Der Motor schnurrt geschmeidig wie Omas altes Kätzchen, und der TÜV ist noch gültig. Warum also zur Inspektion fahren?

2. April 2019 – Serviceumfänge sind, je nach Anbieter, unterschiedlich und können schrecklich verwirren. Wenn die Neuwagengarantie sowieso in der Vergangenheit liegt, fällt es oft schwer, den Wagen auf „gut Glück“ warten zu lassen. Hohe Kosten kauern wie Taschendiebe auf dem Weihnachtsmarkt. Ein offener Dialog zwischen Kunde und Werkstatt macht die Sache einfacher. Was gibt die Haushaltskasse her und was sind die langfristigen Pläne? Gute Betriebe arbeiten mit diesen Infos und die böse Überraschung bleibt aus. Dumping-Anbieter werben mit billigen Preisen für Ölwechsel. Dabei wird in der Regel aber nur altes gegen neues Schmiermittel getauscht. Ob Bremsen und Reifen ok sind, prüft niemand.

Der erste Eindruck

Auch in einem Betrieb, egal ob Werkstatt oder bei der Hauptuntersuchung, zählt der erste Eindruck. Nein, nicht der des Menschen, sondern der des Fahrzeugs. Es ist mühselig, den Kofferraum freizuschaufeln, um an das Ersatzrad oder Notpaket zu kommen. Und es nervt, den Erste-Hilfe-Kasten und das Warndreieck zwischen der verkrümelten Kekspackung und den platten Fahrradreifen bergen zu müssen.

Es ist mühselig, den Kofferraum freizuschaufeln, um an das Ersatzrad oder Notpaket zu kommen.

Wie bei geliebten Gästen

Um den externen Arbeitern den Job so simpel wie möglich zu gestalten, ist ein aufgeräumtes und von außen gesäubertes Fahrzeug eine echte Erleichterung. Zudem entfallen mit der passenden Vorbereitung auch eventuelle Kosten – und wann könnte diese angebrachter sein, als wenn Fremde zu Besuch kommen. Selten werden Gäste das ­Mobiliar so genau durchleuchten, wie ein Mechatroniker bei einer Inspektion.

Bei einer Inspektion fallen Wehwehchen frühzeitig auf

In manchen Angelegenheiten ähneln sich Autos und Menschen.  Eine verschleppte Grippe kann zur  Lungenentzündung führen, das  weiß jeder. Nicht so bekannt: Eine kaputte Gummi-Schutzkappe im Antrieb eines Pkw kann die  Kugellager zerstören. In beiden  Fällen vermeidet eine frühzeitige Diagnose großen Kummer, Kosten  und Ausfall. Regelmäßige Wartung ist dementsprechend wichtig.

Reifendruck und Zustand

Für die regelmäßige Überprüfung des Luftdrucks sind Autobesitzer selbst zuständig. Bei einer Inspektion wird dies mit erledigt – inklusive Reserverad. Noch wichtiger ist aber der Zustand der Reifen selbst. Sind diese alt oder ungleichmäßig abgenutzt, wird der Kunde informiert. Klar, der Tausch kostet, ist aber immer noch angenehmer als ein Unfall.

Reifendruck und Zustand der Pneus müssen Autobesitzer selbst im Blick behalten.

Auf den Punkt gespritzt

Eine Füllung Wischwasser reicht nicht für ein ganzes Serviceintervall. Auch hier ist Eigeninitiative gefragt. Bei der Kontrolle in der Werkstatt wird nicht nur aufgetankt. Der Spritzwinkel der Düsen muss stimmen und ist bei Bedarf zu korrigieren. Die optische Kontrolle und funktionsweise auch der Wischer steht ebenso auf dem Prüfprotokoll.

Was der Bordcomputer sagt, weiß ein Diagnosegerät

Bei einer so genannten On-Bord-Diagnose liest der Mechatroniker den Fehlerspeicher aus. Oft handelt es sich um löschbare Faktoren. Das sind nicht relevante Einträge aus der Vergangenheit. Bestehen allerdings besorgniserregende Einträge, muss tiefer recherchiert werden.

Flüssigkeiten

Bei der Wartung werden alle Betriebsflüssigkeiten überprüft. Ist das Bremsfluid alt, muss es ausgetauscht werden. Fehlendes Getriebeöl kann zu einem teuren Schaden führen, ebenso Kühlflüssigkeit mit zu wenig Frostschutz. Auch die Überprüfung oder der Wechsel des Motorenöls gehören dazu.

Strahlende Augen …

… sind immer positiv. Dabei sollten die Scheinwerferstufen alle funktionieren und die Scheiben ohne nennenswerte Kratzer sein.

Kaum ein Thema ist so brisant wie die Bremse eines Autos

Es ist eine Horrorvorstellung: das Auto bleibt beim Tritt auf die Bremse nicht stehen. Mit dieser Panik haben in der Vergangenheit viele Unternehmen Kunden unnötig zur Kasse gebeten, sind dabei erwischt und mithilfe der Presse an den Pranger gestellt worden. Ein guter Betrieb macht so etwas nicht. Allerdings sollten bei diesem Thema Nutzung und Reichweite kommuniziert werden. Denn am Ende ist der Urlaub doch unentspannter, wenn die Bremsenverschleißkontrolle in der Ferne nicht aufleuchtet.

Wenn es sonst nichts gibt, hilft der letzte Zettel

Wann war nochmal der Geburtstag von der Nachbarin? Ebenso stellt sich manchmal die Frage nach der anstehenden Inspektion. Ein Blick auf den Zettel kann helfen.

Filter-Wechsel

Ein Motor muss gut durchschnaufen können, sonst steigt der Verbrauch, während die Leistung sinkt. Um dies zu gewährleisten, braucht er einen sauberen Luftfilter. Ein weiterer, der sogenannte Pollenfilter, sorgt für saubere Luft im Wagen-Innenraum und wird bei einer regelmäßigen Wartung überprüft, gereinigt oder ersetzt.

Reicht der TÜV nicht aus?

Der TÜV ist das Tempo unter den Taschentüchern. Im Fachjargon heißt die technische Überprüfung Hauptuntersuchung – kurz HU. Es gibt sie schon seit 1951 und beinhaltet die Prüfung der Verkehrssicherheit, nicht jedoch der Betriebssicherheit. Das Auto darf im Straßenverkehr weder für das Umfeld, egal ob Mensch oder Natur, gefährlich (z.B. durch austretende Schmierstoffe) sein und muss zudem den Insassen Sicherheit bieten. Dieser Zustand wird am Tag der HU bewertet. Ein Prüfingenieur wird in der Regel keine Kupplung testen, Öl messen oder einen anstehenden Zylinderkopfschaden diagnostizieren. Außer die Schäden beeinflussen die AU (Abgasuntersuchung) oder sind tatsächlich gefährlich. Ein Prüfingenieur ist kein Mechaniker, der vor Ort repariert. Auch wenn viele Ingenieure mit kleinen Handgriffen helfen. Ein erheblicher Mangel kann eine fehlende Pol-Abdeckung an der Batterie sein. Anstatt den Kunden zur Nachprüfung zu laden, werden solche Auffälligkeiten in der Regel vor Ort behoben.

 

Unsere Expertin


Anna Matuschek
Redakteurin und Mechanikerin

schreibt und schraubt mit Leidenschaft.


 

Bilder: Nikolaos Radis

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