Mobilitätsangebote in Unternehmen sind wichtiger denn je. Doch wie finden sich Lösungen, die zur Belegschaft passen und den Arbeitgeber attraktiver machen? Die Antwort liefert eine Studie aus dem Juli 2026.
Betriebliche Mobilität ist kein Nischenphänomen. Das belegen die Zahlen einer aktuellen Studie, welche die Beratungsgesellschaft PwC zusammen mit der Universität St. Gallen durchgeführt hat. In Deutschland entfallen 41 % aller Personenkilometer auf den Arbeitsweg – und 62 % der Pendelwege legen die meisten nach wie vor mit dem eigenen Auto zurück. Obwohl passende Mobilitätsangebote zu den wichtigsten Benefits zählen, wissen nur wenige Arbeitgeber, worauf es ihrer Belegschaft wirklich ankommt.
Mobilitätslösungen bleiben auf der Strecke
Der Kernpunkt der Studie: Eine moderne Unternehmensmobilität muss mehr bieten als einen alten Firmenwagen und Mitarbeiterparkplätze. Schließlich verursachen Arbeitswege mehr als die Hälfte aller CO₂-Emissionen im deutschen Personenverkehr. Zugleich sind Unternehmen künftig verpflichtet, diese Zahlen transparent offenzulegen. Geht es um innovative Mobilitätslösungen – etwa einen elektrifizierten Fuhrpark mit Wallbox oder Mobilitätsbudgets anstelle von Firmenwagen – hinken viele Unternehmen hinterher.
Unternehmen müssen etwas unternehmen
Es überwiegt die Ungewissheit: Welches Konzept passt zum eigenen Unternehmen, wie kostspielig wird eine solche Investition und was liegt der Belegschaft wirklich am Herzen? Hier setzt die Studie an, indem sie – auf Basis einer Befragung von 35 Mobilitätsakteuren in Deutschland und der Schweiz – konkrete Lösungsansätze formuliert.
Klassische Mobilitätsangebote dominieren
Das Ergebnis ist ein praxisnahes Rahmenwerk. In einem ersten Schritt ordnen sich Unternehmen anhand fester Merkmale ein: Sitzen sie städtisch oder ländlich, an einem oder mehreren Standorten und arbeitet die Belegschaft meist vor Ort oder im Homeoffice? Aus diesem Unternehmensprofil ergibt sich, welche Mobilitätslösungen am sinnvollsten erscheinen.
Ergänzend hierzu gewährt die Studie einen Einblick in die häufigsten Mobilitätsangebote in Unternehmen: Wenig überraschend steht der klassische Mitarbeiterparkplatz auf dem ersten Platz (68 Prozent), gefolgt vom Firmenwagen (61 Prozent) und dem Deutschlandticket (56 Prozent). Doch es gibt auch Negativbeispiele: Knapp eins von fünf Unternehmen bietet kein einziges Mobilitätsangebot an.
Schwerpunkt verlagert sich
Künftig möchten die meisten Befragten neue Schwerpunkte setzen: Am stärksten treiben die Arbeitgeber das Dienstrad-Leasing voran (77 Prozent), dicht gefolgt von der Elektrifizierung ihres Fuhrparks (72 Prozent). Auch Remote Work spielt eine wachsende Rolle: Wer seltener pendelt, entlastet die Straßen.
Die drei Gesichter der Mobilität
Um die Bedürfnisse der Belegschaft greifbar zu machen, definiert die Studie drei Archetypen.
- Der autoabhängige Produktionsstandort sitzt meist ländlich und zentral, die Belegschaft ist täglich vor Ort und der Bahnanschluss nicht immer optimal. Hier zahlen sich eine E-Flotte mit Ladepunkten, Fahrgemeinschaften und Corporate Carsharing aus.
- Der multimodale Dienstleister arbeitet dezentral in der Stadt, wo Parkraum rar gesät und der Nahverkehr dicht ist. Für ihn werden Mobilitätsbudget, ÖPNV-Ticket und flexible Arbeit zu Schlüsselargumenten im Wettbewerb um Talente.
- Der flottenintensive Betrieb hingegen steuert viele Fahrten zwischen mehreren Standorten und Hubs. Für ihn werden ein effizient gesteuerter Fuhrpark, elektrifizierte Fahrzeuge, Ladepunkte an den Standorten und eine kluge Routenplanung zum Hebel für mehr Nachhaltigkeit und geringere Kosten.
Doch diese Kategorisierung bleibt eine grobe Einordnung – in der Praxis überschneiden sich die Archetypen oft.
Mobilität wird ganzheitlich gedacht
Corporate Mobility as a Service (kurz: CMaaS) beschreibt die Antwort auf ein typisches Alltagsproblem in Unternehmen: Der Firmenwagen läuft über den Fuhrpark, das Jobticket über die Personalabteilung und jede eingereichte Rechnung landet auf einem anderen Schreibtisch. CMaaS führt die Einzelteile in einem einheitlichen System zusammen, das der Arbeitgeber steuert. In der Praxis heißt das: Beschäftigte buchen Bahn, Leihrad oder Ladepunkt auf einer einzigen Plattform, beispielsweise per App.
Pilotprojekt mit Potenzial
Dass gute Konzepte auch praxistauglich sind, untermauert ein Pilotversuch mit 100 Beschäftigten, bei dem sie frei zwischen Auto, Bahn und Rad entscheiden konnten. Das Ergebnis: Ein spürbarer Teil ließ das eigene Auto häufiger stehen und stieg auf den Nahverkehr um. Am Ende überzeugten vor allem leicht nutzbare, günstige und gut aufeinander abgestimmte Angebote.



