Ein älterer, mobilitätseingeschränkter Mensch in der Straßenbahn.

Mobilität bei Senioren:
Wenn der Weg zur Hürde wird

Richten sich Mobilitätsangebote in Deutschland an die Bedürfnisse von Senioren ab 65 Jahren? Eine aktuelle DLR-Studie zeigt: Vielerorts herrscht Nachholbedarf. Doch was sind die größten Hürden im Mobilitätsalltag – und wie lassen sie sich beheben?

Wer über Mobilität im Alter spricht, denkt vor allem an die Barrierefreiheit im ÖPNV. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) belegt nun: Dieser Aspekt ist nur einer von vielen entlang der Wegekette, sprich der Strecke vom Startpunkt bis zum Reiseziel. Der demografische Wandel verstärkt den Handlungsdruck: Bis 2040 steigt der Anteil von Menschen ab 67 Jahren voraussichtlich auf etwa 27 Prozent.

Altersgerechte Wege? Von wegen!

Viele Probleme beginnen schon vor Fahrtantritt. So erschweren schmale Gehwege, schlechte Beleuchtung, fehlende Sitzgelegenheiten oder unklare Wegeführungen den Weg zur Haltestelle erheblich. Noch kritischer wird es bei Brüchen in der Wegekette, etwa wenn der Zugang zur Haltestelle nicht barrierefrei ist, ein Aufzug ausfällt oder der Umstieg zu lang und unübersichtlich wird.

Auch die Informationsvermittlung spielt eine große Rolle: Kleine Schriften, unklare Beschilderungen und hektische Durchsagen machen den Weg zu Bus und Bahn schnell zur Belastungsprobe. Ähnliches gilt für digitale Anwendungen, die sich älteren Menschen nicht sofort erschließen. Die Folge: Senioren meiden bestimmte Wege oder Spontanfahrten komplett.

Wenig Ahnung bei der Planung

Obwohl sich die Mobilitätsbedürfnisse älterer Menschen – je nach körperlicher Verfassung – teils stark unterscheiden, verändern sich mit fortschreitendem Alter die körperlichen und kognitiven Fähigkeiten. Ein klassisches Beispiel: die verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit im Straßenverkehr.

Problematisch ist dabei die Tatsache, dass sich das Verkehrssystems am Nutzerbild des „durchschnittlichen, gesunden, männlichen Referenzmenschen“ orientiert. Daraus resultiert eine strukturelle Lücke zwischen den Nutzerbedürfnissen im Alter und den bestehenden Angeboten. Dieses Manko, der sogenannte Mobility Design Norm Gap, zeigt sich vor allem in infrastrukturellen Defiziten wie fehlenden barrierefreien Zugängen.

Mobilität muss krisensicher sein

Die Studie blickt nicht nur auf den Alltag, sondern umfasst auch Krisensituationen wie Hitzewellen oder Pandemien. Was ältere Menschen schon im normalen Mobilitätsalltag einschränkt, kann in Ausnahmelagen schnell gefährlich werden. Lange Wege, unklare Informationen oder fehlende Rückzugsmöglichkeiten belasten sie oft stärker als jüngere, gesunde Menschen.

Hinzu kommt, dass Notfall- und Evakuierungskonzepte ihre Bedürfnisse bisher oft nicht ausreichend berücksichtigen. Dabei braucht es gerade in Krisen barrierefreie Informationen, gut erreichbare Schutzräume und verlässliche Verkehrsangebote. Fällt der öffentliche Verkehr länger aus, werden Arztbesuche, Einkäufe oder soziale Kontakte schnell zum Problem. Altersgerechte Mobilität ist deshalb auch eine Frage der Krisenvorsorge.

Eine ältere Dame sitzt eine Schutzmaske tragend in einem Auto.
Krisen erschweren die Mobilität – besonders bei älteren Menschen. Bild: Adobe Stock/DG PhotoStock

Bevor Hürden zu Bürden werden

Die Studie fordert keinen späteren Feinschliff, sondern einen Perspektivwechsel in der Planung. Mobilitätsangebote müssen sich von Beginn an den Anforderungen älterer Menschen orientieren. Konkret braucht es beispielsweise stufenfreie Wege, kurze und übersichtliche Umstiege, gut ausgeleuchtete Haltepunkte sowie sichere Haltemöglichkeiten und Platz für Rollatoren. Zudem sollen digitale Dienste leicht bedienbar sein und niemanden ausschließen, der kein Smartphone nutzt. An erster Stelle fordert das DLR allerdings, ältere Menschen schon früh in Entwicklung und Planung einzubeziehen, um möglichen Hindernissen vorzubeugen. Nur so werden Mobilitätsangebote zu einer wichtigen Voraussetzung für Selbstständigkeit, soziale Teilhabe und Resilienz im Alter.

Titelbild: Adobe Stock/Manuel
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