Eine Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergibt: E-Autos sind nicht unfallanfälliger als vergleichbare Verbrenner. Ihre Bauweise begünstigt jedoch zwei typische Unfallszenarien.
Wie sicher sind Stromer im Vergleich zu Verbrennern? Die Antwort liefert eine aktuelle Unfallanalyse der UDV auf Basis einer Online-Befragung, einer Literaturrecherche und der Auswertung von knapp 500 Unfällen aus der eigenen Datenbank. Das Ergebnis: Die Unfallhäufigkeit unterscheidet sich kaum, die Ursachen hingegen deutlich.
Zu leise im Stadtverkehr
Die häufigsten Unfallszenarien bei E-Autos sind eng mit dem Antrieb verwoben: Weil Stromer bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich leiser als vergleichbare Verbrenner sind, nehmen Fußgängerinnen und Fußgänger sie oft nicht rechtzeitig wahr. Diese Gefahrenquelle macht sich vor allem im Stadtverkehr bemerkbar: Dort kommt es vor allem dann zu Kollisionen, wenn Fahrende aus dem Stand beschleunigen, rückwärtsfahren oder bei einsetzender Dämmerung abbiegen.
E-Autos, die nach dem 1. Juli 2021 neu zugelassen wurden, geben bei Geschwindigkeiten bis 20 km/h sowie beim Rückwärtsfahren künstliche Fahrgeräusche über das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) ab. „Doch diese sind womöglich nicht hörbar genug oder lassen sich noch nicht eindeutig einem Pkw zuordnen“, schlussfolgert Kirstin Zeidler, Leiterin der UDV.
Ein Fehltritt mit Wirkung
E-Autos lassen sich fast ausschließlich mit dem Gaspedal fahren. Grund ist die sogenannte Energierückgewinnung, auch Rekuperation genannt: Sobald der Fahrende den Fuß vom Gas nimmt, bremst das Auto ab. Das genügt meist, um bei überschaubarer Geschwindigkeit vor einer roten Ampel anzuhalten. Doch Obacht: Wer vom Verbrenner auf ein E-Auto oder ein Fahrzeug mit Automatikgetriebe wechselt, muss sich erst einmal an das fehlende Kupplungspedal gewöhnen. Fällt nun auch das Bremspedal oft weg, steigt das Risiko für Pedalverwechslungen in kritischen Momenten.
Ein gewichtiger Pluspunkt
Die Bauweise von E-Autos birgt allerdings auch Vorteile. Grund hierfür sind nicht nur Sicherheitsausstattungen wie die oben erwähnten Warngeräusche, sondern auch das höhere Gewicht bei kompakten Karosserien. Die Auswertung der Unfalldaten zeigt, dass schwerere Fahrzeuge ihre Insassen tendenziell besser schützen als leichtere.
Am Ende kommt es jedoch vor allem auf den Fahrstil an – und in diesem Punkt sind E‑Autofahrer oft deutlich umsichtiger als der Durchschnitt. E‑Autofahrer zeigen laut UDV-Studie generell ein vorsichtigeres Verhalten – und fallen somit seltener durch Kontrollverlust, Rauschfahrten oder riskante Fahrmanöver auf.



