Smartphones im Auto kabellos zu laden, setzt sich zunehmend durch. Ladeleistung und Zuverlässigkeit machen schnelle Fortschritte
Es scheint so etwas wie ein Grundgesetz der Technikwelt zu sein: Alles, was kabellos funktioniert, setzt sich früher oder später auch als kabellose Lösung durch. Das Laden von Handys im Auto hat mehrere Evolutionsstufen durchlaufen: Am Anfang war der Adapter mit USB-Schnittstelle für den sogenannten Zigarettenanzünder: Ladekabel dort und ans Handy angestöpselt – lief. Zumindest solange nicht der Zündschlüssel abgezogen wurde. Nächster Schritt war der Wegfall des Adapters, weil die Autohersteller ab Werk USB-Anschlüsse im Auto verteilten. Lief prima, es sei denn, man hatte vergessen, das Ladekabel mit ins Auto zu nehmen oder dort dauerhaft eines zu deponieren.
Populäre Apps haben den Fortschritt angeschoben
Mittlerweile kann man auch das Ladekabel aus dem Gedächtnis streichen – vorausgesetzt, das Auto verfügt über eine Schale für induktives Laden. Smartphone dort abgelegt, und der Akku saugt sich kabellos seine Energie aus dem Bordnetz. Pionier dieser – eigentlich relativ simplen – Technik war Toyota: Seit 2012 ist die Limousine Avalon, die nur für den nordamerikanischen Markt gebaut wird, mit einer induktiven Lademöglichkeit zu haben. Mercedes-Benz zog 2013 in der weltweit erhältlichen S-Klasse nach. Einen Schub bekam die Entwicklung durch Apps wie Android Auto oder Apple Carplay, die das Smartphone kabellos mit dem Bord-Infotainment vernetzen und für die eine kabellose Ladelösung fast ein Muss ist. Deshalb ist das induktive Laden heute in allen Fahrzeugklassen angekommen, in der Regel mit rutschfesten Ablageflächen und teils auch mit Kühlung.
Die Kühlung hat durchaus Sinn, denn beim induktiven Laden erwärmt das Smartphone sich stärker als beim Stromtanken per Kabel. Weil der Innenraum eines Autos bei intensiver Sonneneinstrahlung außerdem extrem heiß werden kann, besteht ohne Gegenmaßnahme die Gefahr, dass Smartphones ihre Ladeleistung reduzieren oder das Laden ganz einstellen.
Die Ladetechnik ist keine Raketenwissenschaft
Technisch entsprechen die Ladeschalen grob vereinfacht dem, was man von elektrischen Zahnbürsten kennt: elektromagnetische Induktion. Eine Sendespule in der Ladeschale erzeugt ein magnetisches Feld; die Empfängerspule im Handy wandelt diesen Impuls in elektrische Energie um. Voraussetzung dafür ist ein integrierter Empfänger nach dem sogenannten Qi-Standard (gesprochen „tschi“, angelehnt an den chinesischen Begriff für Lebensenergie), den die meisten höherwertigen Smartphones heute besitzen. Ältere oder billigere Modelle haben diesen Empfänger nicht, doch es gibt Nachrüstmöglichkeiten.
Punktgenau fixiert in den Ladeschale
Die neueste Generation ist der Qi2-Standard mit integriertem Magnetring, der das Handy zur höchstmöglichen Energieübertragung exakt über der Senderspule fixiert. Das löst ein Problem, das ältere induktive Ladeschalen hatten: Das Handy konnte während der Fahrt verrutschen, was die Ladeleistung verringerte. Apropos Ladeleistung: An kabelgebundene Schnellladesysteme kommt das Induktionsladen noch nicht heran, der Unterschied wird aber mit jeder Gerätegeneration geringer. Das Handy-Ladekabel im Auto ist also nicht komplett von gestern, doch hat vermutlich keine lange Zukunft mehr.


