Europas E-Flotte wächst. Bild: SP-X

Elektroauto nimmt
in Europa Fahrt auf

Elektromobilität wird sich im laufenden Jahrzehnt wohl durchsetzen. Wie sehr sie den Verbrenner verdrängen wird, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, wie eine Studie zeigt. 

Der Marktanteil von E-Autos am europäischen Neuwagenmarkt wird in den kommenden Jahren massiv steigen. Das Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach rechnet damit, dass bis 2030 mindestens jeder zweite neue Pkw elektrisch angetrieben wird. Unter günstigen Rahmenbedingungen ist der Prognose zufolge auch ein Elektro-Marktanteil von 90 Prozent möglich. 

Genug Ladestationen?

Wie die Entwicklung des angebrochenen Jahrzehnts läuft, ist dem CAM zufolge vor allem von den Entwicklungen bei den Batteriekosten, der Ladeinfrastruktur sowie den politischen Regulierungen abhängig. Sinken die Kosten pro Kilowattstunde Kapazität bis 2030 auf rund 40 Euro und klappt der Ausbau des Ladenetzes, rechnen die Experten mit einem E-Anteil von 90 Prozent. Dazu müsste es allerdings auch weitere Verschärfungen der CO2-Flottenziele, Einfahrverbote von Verbrennerfahrzeugen in Metropolen sowie Zulassungsverbote für Verbrennerfahrzeuge beziehungsweise deren Ankündigungen in weiteren Ländern geben. Die Zahl der europäischen E-Auto-Neuzulassungen beziffert die Studie für 2030 in diesem schnellen Szenario mit 14 Millionen Fahrzeugen, davon 12,6 Millionen reine E-Autos. Einiger Hersteller reagieren auf diese Entwicklung unter anderem mit E-Versionen  ihrer Klassiker:

Mehr Stromer als Plug-in-Hybriden

Stellen sich keine idealen Bedingungen ein, rechnet das CAM mit einer E-Quote von rund 75 Prozent. Diese setzen sich zu 80 Prozent aus reinen E-Autos (BEVs) und zu 20 Prozent aus Plug-in-Hybriden (PHEV) zusammen. Insgesamt wären das rund 11,6 Millionen E-Mobile. Auch eine noch langsamere Entwicklung der E-Mobilität ist den Experten zufolge denkbar, wenn sich negative oder kontraproduktive Einflussfaktoren durchsetzen – etwa Probleme bei der Ladeinfrastruktur. In diesem Szenario sind noch 50 Prozent der Neuzulassungen konventionelle Verbrennerfahrzeuge. Plug-In-Hybride erfahren dann eine höhere Nachfrage, so dass das BEV-/PHEV-Verhältnis hier nur 70 zu 30 zugunsten der reinen E-Mobile beträgt. In absoluten Zahlen werden im langsamen Szenario 7,8 Millionen EVs im Jahr 2030 in Europa neu auf die Straße rollen. 

Das Ladenetz in Europa ist ungleichmäßig aufgebaut. Foto: Ionity
Das Ladenetz in Europa ist ungleichmäßig aufgebaut. Foto: Ionity

„Zwei-Klassen-Gesellschaft“

Dennoch bleibt Europa bei der Elektromobilität eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Während das Elektroauto in den reichen Ländern immer höhere Marktanteile erobert, spielt es in den ärmeren EU-Staaten kaum eine Rolle, wie sich aus Daten des Herstellerverbands ACEA ergibt. Demnach werden 73 Prozent aller neuen E-Autos in den vier Staaten Schweden, Niederland, Finnland und Dänemark verkauft – alles Länder mit einem Bruttoinlandsprodukt oberhalb von 46.000 Euro pro Kopf. Die Marktanteile von E-Autos und Plug-in-Hybriden liegt dort oberhalb von 15 Prozent. 

Im Osten fehlt die Infrastruktur

Im Gegensatz dazu haben die Staaten mit einem E-Anteil unterhalb von 3 Prozent nach ACEA-Berechnungen ein durchschnittliches Bruttoinlandsprodukt unterhalb von 17.000 Euro pro Kopf. Zu den Ländern mit der geringsten Stromer-Quote zählen demnach Zypern, Litauen, Estland, Kroatien und Polen. Die ACEA fordert vor diesem Hintergrund mehr Anreizprogramme für den E-Autokauf sowie einen Ausbau der Infrastruktur. Denn die fünf Länder mit der geringsten Fahrzeugquote haben außerdem die schwächste Elektro-Infrastruktur – jeweils nur rund ein Prozent aller Ladesäulen in Europa sind dort zu finden. 

Wie sich so ein Stromer fährt, lest ihr hier:
https://www.motusmagazin.de/aktuelles/bessere-co2-bilanz-fuer-e-autos/

Titelbild: AdobeStock/klesign
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